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Resonanzkörper

Medienkritischer Text, der sich vor allem auf Formate wie "Big Brother" oder ähnlichen Schund bezieht. Das elektronische Dorf oder der elektronische Spalter?

...und es schallt von allen Seiten, schallt so laut, so weit, widerhallt.



Die Musik beginnt da, wo die Sprache aufhört. War das Nietzsche?

Wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück. Wer war das?

In den letzten Wochen fehlen mir die Worte, die Worte für so vieles. Nicht nur, das ich mir über die Bedeutung von Worten immer unsicherer werde, oder darüber, ob Sprache überhaupt als Mittel des Tauschens von Ideen ausreichend ist. Nicht nur, das ich beginne, daran zu zweifeln, ob die Sprache, die ich in meinem Kopf zum stillen Selbstgespräch, zum stillen Schrei, benutze, nicht genauso spielerisch aufgefasst werden sollte, wie die Sprachspiele, die die Menschen untereinander führen. Nein. Das ist es nicht.

Sogar, wenn ich mir über die Bedeutung und den Sinn von Sprache noch sicher wäre, würden mir die Worte fehlen. Ich sollte melancholische Musik machen.

Um es, entgegen meiner sonstigen abstrakten Verwirrung, mal auf den Punkt zu bringen: Was ist bloss los mit dieser Welt? War das schon immer so, und ich hab es in meiner kindlichen Glückseligkeit einfach übersehen?

Medienethik scheint eins der leersten Worte zu werden. Ich plane es für die Wahl zum Unwort vorzuschlagen. Endemol plant und bastelt schon an einem Format, das mir den Atem verschlägt und die Luft in meiner Lunge zum kochen bringt. Big Brother Forever, so der wohlklingende Name des Formats, das uns moralisch wie geisteswissenschaftlich zurückwirft, ins Jahr 1984 - oder uns dahin voranbringt? Die perfekte Dystopie auf der Schwelle zur schwach definierten 'Realität'. Lippenstift-rote Sekunal.

Während also Fernseh-Deutschland (Unwort #2) sich mit der Truman-Show #2 zu belustigen plant, üben Politiker fleißig Wahlbetrug und Korruption, um auch den Nachrichten, neusprachlich 'News', ihre Einschaltquote zu sichern. Ich glaube manchmal, das Endemol, und wie sie alle heissen, die Politiker besticht, sich bestechen zu lassen, damit die RTL2 News ihr Futter bekommen. Fragt sich nun, ob eher Politik oder eher Medien davon profitieren, aber wahrscheinlich eher beide, die Grenzen sind ja sowieso fliessend.

Fahrenheit 9/11 ist mal wieder ein wahres Musterbeispiel. Wenn man bedenkt, dass jede Promotion gute Promotion ist, könnten Moore und Bush ja einfach beide einen tollen Deal gemacht haben. Nein, nichts gegen Moore, wenigstens mal jemand, der seinen Mund aufmacht, aus Angst in einem Sumpf aus Volksverdummungs-Gülle zu ersticken. Medienethik, was für ein Begriff.

Unbegreiflich (unbegrifflich?) auch die Wahlen in der Ukraine. Zum Glück konnte der Fehler behoben werden, aber ich kann mir schon ganz gut ausmalen, wer sicherlich nicht bestraft wird. Oder wer nur eine Geldstrafe aufgebrummt bekommt, die er dann mit öffentlichen Mitteln begleicht. An dieser Stelle ein Seitenblick auf J.D.Salinger, und mein Lieblingszitat aus einem seiner Bücher: "Ich könnte mich von oben bis unten bekotzen!".

Ähnliches geht mir auch durch den Kopf, wenn ich den kopflosen Ameisenhaufen Menschheit ohne Hirn gegen Wände laufen sehe, immer und immer wieder, Wände, die früher einmal Fernseher hießen, mittlerweile aber dieser Bezeichnung entwachsen sind. Ja, genau, physikalisch entwachsen. Medienkultur ist mein Unwort #3. Immer größere und bessere Fernseher, die in immer größerem und effizienterem Ausmaß die Menschen aus der Zwischenmenschlichen Unterhaltung reissen, um sie in dem Sumpf der visuell/digitalen Unterhaltung zu werfen. Wozu soll ich meinen Nachbarn fragen, wie es ihm oder ihr geht, wenn ich mir im Fernsehen ankucken kann, wie es fremden Leuten in erfundenen Umgebungen geht? Nachbarn sind doch uninteressant. Sollte man auch unter Medienethik verbuchen, tut man aber nicht.

Hast du dir schon mal einen Wohnblock näher betrachtet?

Sicher kennst du dann diese alten Leute, die der Beachtung nicht würdig erscheinen, und scheinbar auch keine kriegen, da sie anscheinend scheinheilig, den ganzen Tag auf einem gefalteten Handtuch ge-ellbogt, auf Unfälle vor dem Küchenfenster warten. Ja? Kennst du?

Hast du schon mal 2 Stück übereinander gesehen? Ich meine in 2 übereinander gestapelten Stockwerken?

Ich komme, dieses Bild vor Augen, jedes mal zu der Frage: Wenn die Beiden sich so sehr langweilen, warum treffen sie sich dann nicht in einer der beiden Küchen, und spielen Karten beim Kaffee? Vielleicht fragen die sich das selbst auch dauernd? Vielleicht sind auch beide so misanthropisch, das sie lieber auf Unfälle hoffen, und treffen sich nachts heimlich in Ihren Wohnzimmern, um Ölspuren zu planen?

Vielleicht bin ich auch einfach zynisch. Aber was bleibt einem wie mir schon?

Zu voreingenommen um im Fernsehen fern zu sehen, und zu umgeben von Nachbarn, die es nicht sind.


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