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Ware zivilisierter Mensch

Ware zivilisierter Mensch und seine Verfehlungen immer noch im Sonderangebot, oder, wer da nicht zugreift muß verrückt oder Terrorist und gegen uns sein

Innerhalb der Produktionsgesellschaft verkommt der eigentliche Produzent und Konsument selbst auch immer mehr zur Ware.

Es liegt in der Natur einer Gesellschaft, in der alles, jedes und jeder seinen Preis hat, dass auch der Mensch selbst seinem unnatürlichen Reglement zum Opfer wird und sich sein Wert durch seine Rentabilität und seinen Besitz definieren lassen muss.

Vorbei die Zeiten, in denen die Menschen einfach Menschen waren, die nur so viel taten, damit es reicht sich, ihre Familie und die Gemeinschaft über die Runden zu bringen und sich somit, je nach ihren individuellen Vorlieben, Interessen und Fähigkeiten, ganz selbstverständlich in eine gleichgesinnte und überschaubare Interessengemeinschaft einordneten - es gilt nur noch ein Massenweg für alle - und der wird jedem von klein auf eingetrichtert. Dabei wird die Individualität, die nun ein jeder Mensch einmal aufweist, immer mehr systematisch erschwert und unterdrückt, als wäre die Einzigartigkeit jedes Menschen eine Krankheit und der Mensch prinzipiell eine mißratene, eigensinnige Ameise, die es auf den "rechten Weg" zu bringen gilt, damit sie als ein Zahnrädchen im großen Getriebe funktioniert.

Die Massenmedien leisten ganze Arbeit dabei, bei den vielen eigentlich völlig verschiedenen Zuschauern, die gleichen Begehrlichkeiten, die gleichen Idole und ausschliesslich die gewünschten Verhaltensmuster für alle zu präsentieren, denn die vielen Kanäle der verschiedenen Sender senden fast ausschliesslich nichts anderes, als das was wir sehen sollen. Und auch sonst gelten nur Mehrheitsentscheidungen, niemals die Stimme des einzelnen, auch nicht für sich selbst. Jeder muss sich nach den gleichen Regeln verhalten, der Vernünftigste, wie der Unvernünftigste, der Tugendhafte, wie der Betrüger und der gebildetste wie der dümmste - es werden einfach alle auf einen gemeinsamen Nenner gedrückt, oder eben gehoben - ganz wie es die vorherrschende "Normalität" diktiert. Wobei die wenigsten Menschen genau dieser entsprechen, sich aber viele entsetzlich mühen, um wenigstens so zu tun, als wären sie "normal".

Bloss nicht aufzufallen. Denn wie jedes Kind schon in der Grundschule lernt : Auffälliges Verhalten, Aussehen oder Abweichungen vom gewünschten Verhaltensmuster, werden gnadenlos geahndet - von den Mitschülern nicht selten noch viel härter und unerbittlicher, als von den Lehrern. Ein Nebeneffekt - der angesichts von "pädagogischen" Strafmassnahmen, die solches Verhalten fördern, wie das Bestrafen von allen, für das "Vergehen" des einzelnen - offensichtlich sehr erwünscht ist. Und das obwohl es für viele Schülerinnen und Schüler, nicht weniger als Spiessrutenlauf bedeutet, der über psychische Probleme, Drogenmissbrauch etc. bis zum Suidzid führen kann.

Schliesslich sind auch die Eltern mit eingebunden und stehen, unter Androhung von Gefängnishaft, in der Pflicht, ihr Kind der vorherrschenden Norm und ihren Hütern auszuliefern. Sie warten auf das nächste "Zeugnis" das ihrem Nachwuchs, schwarz auf weiss bescheinigt, in wie fern es tauglich ist die Norm zu erfüllen, die, wie die Eltern aufgrund ihrer eignenen Erfahrung gelernt haben, die einzige gültige Qualifikation dafür ist, es später "einmal zu etwas zu bringen".

Damit schliesst sich der Kreis um ein jedes Individuum und es gibt kaum eine Person, zumindest kaum eine "erwachsene", die nicht gebetsmühlenartig die heilige Norm predigt, die gerade für die eifrigsten Prediger selbst, oft besonders mühsam zu erreichen war. Meisst bleiben nur Freunde, die einem nicht ständig unter die Nase reiben was man gefälligst zu tun, oder zu lassen hat. Doch diese müssen ebenfalls "sehen wo man bleibt" und wenn sie sich nicht im Laufe der Zeit auch anpassen, landen sie zwangsläufig, früher oder später, auf der sogenannten "schiefen Bahn". Was bedeutet das sie in eine der zahlreichen Fallen tappen, die die einzigen, offensichtlichen Abzweigungen in der Einbahnstrassengesellschaft darstellen.

Erst einmal in eine von diesen getappt, z.B. die illegalisierten Drogen, dann kann eine verschärfte "Zurechtrückung" der "kriminell"-gewordenen in Form von "Arbeitstherapie" oder eingesperrt sein greifen, für die es auch nur das eine Ziel gibt - das verirrte Schaf zurück auf die Normschiene zu bringen und dafür zu sorgen das es den einzigen gültigen Weg endlich als den anerkennt der er ist, denn wenn die Alternative noch längerer Knastaufenthalt, geschlossene Psychatrie, Platte machen, oder Drogenstrich heisst, dann fängt sogar die Masseneinbahnstrasse dagegen an zu glänzen. Und gleichzeitig kann sich derjenige, der den Normweg bereits geht, durch den Anblick der Alternativen in seinem tun bestätigt fühlen.

Kaum jemanden ist bewusst, wie sehr und gründlich alle Nischen beseitigt wurden, um einen mehr oder weniger zwangsläufig "richtig" gewordenen Weg, zu etablieren. Niemand kann in einer Konsumgesellschaft ohne Geld existieren - ohne Geld kein Konsum - was heisst sein Brot zu erbetteln, oder es sich mit anderen Mitteln zu beschaffen, sprich stehlen - anders geht es nicht. Man kann es sich auch selber Backen ? Warum nicht, aber dazu braucht man Mehl. Mehl kostet Geld, es sei denn man hat ein Getreidefeld, aber hoppla, dazu muss man ja erst ein mal ein Feld besitzen oder pachten und das Saatgut gibt es auch nicht umsonst. Man könnte auch fischen gehen, eine Angel bauen ist nicht schwer, aber dummerweise braucht man einen Angelschein. Im Wald jagen kann man auch nicht einfach so, denn das ist Wilderei und um sich Kartoffeln oder Gemüse anzubauen braucht man einen Garten.

Wie man es auch dreht, entweder man verdingt sich wie die Mehrheit als zunehmend billig werdender Lohnsklave, man erbettelt was man braucht, lebt von den zunehmend kärglichen "Stütze" vom Staat, oder man wird kriminell - dazwischen gibt es nichts - entweder "rechtschaffender Mensch", oder Verlierer, Sozialschmarotzer und Krimineller. Wie das in Einklang mit dem Grundgesetz funktionieren kann, das jedem Bürger das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit garantiert ? Da müsste man wohl mal einen ganz gewieften Juristen fragen, der einem das mal erklärt.

Eigentlich könnte man jetzt schon Zweifel bekommen, ob das alles so mit rechten Dingen zugeht, aber dazu kommt noch die stetig wiederkehrende Krise der Arbeitsgesellschaft. Denn wenn Arbeitsplätze durch immer modernere Produktionsmaschinerie wegfallen und somit immer mehr Menschen aus der Rolle des nützlichen Arbeiterin im grossen Staatsgetriebe rausfallen, drohen die anderen im Volksameisenhaufen zunehmend an Bedeutung zu gewinnen, nämlich die Soldaten. Dann sind wir wieder an einem Punkt angelangt, wo diejenigen die was zu sagen haben, gar keine Zweifel mehr daran lassen, was die Ware Mensch wert ist, wenn der Markt übersättigt ist. Schätzungsweise 200 Millionen Menschen wurden im letzten Weltkrieg vernichtet, die Infrastruktur in vielen Ländern zerstört, die Ergebnisse der harten Arbeit von unzähligen Menschen einfach in die Luft gejagt - ein teures "Wirtschaftswunder". Eigentlich ist es kein Wunder gewesen, nicht nur weil Wunder sowieso religiöser Unfug sind, sondern weil der Bedarf riesig und die Arbeitsmarkt nach Arbeitskräften, die Menschen nach neuer Infrastruktur und Versorgung mit Nahrungsmittel, geradezu hechelten.

Man könnte mit ruhigerem Gewissen auf solch dunklelste Kapitel zurückblicken, würde man nicht noch in genau derselben Falle sitzen, wie die Vorfahren. Denn auch heute nähert sich der heilige Markt, nach einer Phase des relativen Wohlstandes und des Friedens, wieder der Schallmauer der Massenarbeitslosigkeit und des gesättigten Marktes.

Auch heute haben die selben Kreise sich mit nützlichen Kriminellen vernetzt, um ihre Pläne zu verwirklichen, so wie es seit eh und je mit allen "Schurken" geschenen ist.

Die Erfüllungsgehilfen sind gebucht und unser "Volksempfänger" stililsiert sie notfalls erneut zur größten Bedrohung auf, die es jemals gab, um wieder auf dem Rücken von irgentwelchen Sündenböcken den "Neustart" zur Scheinlegitimierung zu verhelfen, was nichts anderes heißt, als abermillionen von unschuldigen Menschen und die Früchte ihrer harten Arbeit auf diverse Art zu vernichten.

Falls man es trotz der vielen vorsätzlich gelegten Fallen und Irrwege dieses dreckige Spiel zu durchschauen und zur Sprache zu bringen wird man - trotz angeblicher Meinungsfreiheit - zensiert und im Zweifelsfall hat man einen "Unfall", so wie ihn der Schreiber dieser Zeilen hatte, obwohl er damals noch gar nicht realisiert hatte, in welcher Gesellschaft er sich überhaupt befindet, sondern nur zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war.

Das Land "der Dichter und Denker" ist zu einem Straßenstrich für kapitalistisch verballerte, dichte und fehlgelenkten Systemhuren verkommen, der aufgrund früherer "Investitionen" der "Guten", schon eine Generation lang militärisch besetzt ist und die schon seit Menschengedenken hinter den Kulissen mit den "Bösen" an einem Tisch sitzen.

Neue Wege und Gedanken sind, hier wie dort, nur ein Dorn im Auge der Hüter des einzig gültigen Irrwegs, es werden lieber Mahnmäler gebaut oder bereits vor über 2000 Jahren gekreuzigte Aufständige als ihre Ideale angepriesen, um die immer noch fortwährenden Untaten zu verschleiern, anstatt bei heutigem Unrecht aufzubegehren, oder es gar auszuräumen.

Gerne erinnere ich mich in dieser Hinsicht an eine Dokumentation im Fern-Sehen - wobei ich mich heute noch wundere das diese augestrahlt wurde - in der "wilden und unzivilisierten" Menschen ein gekreuzigter Jesus gezeigt wurde, die daraufhin schlicht sagten "Warum hilft ihm denn niemand ?".

Wie könnte man den Wahnsinn der zivilisierten Krone der Schöpfung die alles so viel besser weiß besser enttarnen, als diese "primitiven" Menschen es vermochten - es gibt keine Hilfe, außer Spendengelder, es gibt keine Lösungen für Irrwege, nur Mahnmäler für vergangene Untaten, wobei auch noch weggelassen wird, wer eigentlich wirklich dafür verantwortlich ist.

Es wird in Demut ausgeharrt und betrauert was gefälligst betrauert werden soll, mehr nicht, damit der organisierte Wahnsinn seinen Lauf nehmen kann.

Wie wäre es mit ein paar Drogen, denn die bekommt man in der Welt der selbstgerechten Systemhuren an jeder Ecke, obwohl sie doch so streng verboten sind ?

Wer diese vorsätzlich kriminalisiert und gleichzeitig verbreitet ist aber ein anderes trauriges Kapitel, in der Geschichte des organisierten Irrsinns, in dem wir - warum auch immer - zum "Leben" verdammt sind....

...auch wenn wir den sprichwörtlichen Ast absägen auf dem wir sitzen - wir tun es zivilisiert und keiner kann es besser.


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Kommentare

TerrorIgel wrote on 2006-01-15 17:12:50

In einer Gesellschaft zu leben beudeutet immer sich der Mehrheit anzupassen. Tut man das nicht wird man zum Aussenseiter und von der Gesellschaft ausgeschlossen. Ein Hund im Rudel muss sich auch anpassen und dem Obersten unterwerfen, weil er es alleine in freier Wildbahn nicht schaffen würde. So hat jedes Individium die Wahl den Gesetzen seiner Gesellschaft zu folgen oder als Ausgestossener oder Feindbild zu gelten. Auch sich einer Gruppe "Ausgestossener" anzuschliessen ist eine weitere Form einer Gesellschaft und somit ein sich-im Kreis-drehens. Fakt ist, dass wenn man nicht als Feind seiner Rasse gelten will die "Anpassung" die einzige Form des Überlebens wird und die Rebellion gegen die Gesellschaft, die wesentlich größer ist als das einzelne Individium, von dieser nur müde belächelt wird und mit harter Strafe und Unterordnung geahndet.

greez datIgel

dusted wrote on 2005-12-14 08:15:05

@taja

Sorry für die späte Antwort erstmal.

Frust ist weniger meine verherrschende Gefühlsbasis gewesen, sondern Kritik.

Wenn es eine Zeit gegeben hat in der die Menschen wirklich erfolgreich ihre Individualität hätten ausleben können, dann wäre mit Sicherheit nichts daruber in offiziell anerkannten und vielfach gelehrten Geschichtsbüchern zu lesen.

Die Menschen sind und wurden fehlgeleitent - das ist unser Weg - bzw. er soll es immer noch sein.

Aus Individuen werden Ameisen gemacht, damit das Staatsgebilde funktioniert und grundlegende menschliche Eigenschaften unter den Teppich gekehrt - im Namen des Fortschritts oder des Glaubens.

Vorgefertigte Verhaltensmuster gibt es überall, aber nirgends sind diese so pervertiert wie bei den angeblich so zivilisierten Menschen.

Wenn ich in der Geschichte zurückgehe sehe ich viel Blut, Kriege und Sklavenheere - und etwas anders durfte es auch nicht geben, ansonsten würden die Geschichte der heutigen Verirrungen keine Legitimation geben so weiter zu machen.

Ich weiß auch aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist seinen eigenen Charakter zu behalten, während das "Establishment" das Hirn schon dressieren lässt ohne das Du denken gelernt hast, oder z.B. eine millionenschwere "Du bist Deutschland" Kampagne startet.....

...wen interessiert schon die Vergangenheit :

linkhttp://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,grossbild-546037-386544,00.html/link

Wir haben einen Feind, wir haben einen Sündenbock - aber wollen wir wieder den totalen Krieg, des Wirtschaftswunders wegen ?

Ohne mich!

Liebe Grüße

Taja wrote on 2005-12-03 20:54:35

Dein Beitrag klingt, als hättest du ihn mit großem Frust im Bauch geschrieben. Vermutlich in etwa der gleiche Frust, der auch mich oft überkommt.

Trotzdem:

Ich frage dich, zu welcher Zeit der Mensch seine Individualität so ausleben konnte, wie du es gerne hättest? (Und ich im übrigen auch.)

Mir fällt keine ein... Was heute die Massenmedien erledigen, das waren früher andere Mechanismen. Man war Frau, also musste man heiraten, man war Sohn eines Bauern, also würde man seinen Hof übernehmen, man war adlig, also durfte man keine aus dem Volk heiraten, man war der fünfte Sohn, also würde man zum Pfarrer, weil der Erbteil zu klein war... Wenn ich in der Geschichte zurück gehe, sehe ich keine Zeit, in der der Mensch frei war von gesellschaftlichen Zwängen und der "Pflicht" normal zu sein. Auch in Naturvölkern gibt es feste Regeln, die keiner missachten darf.

Und nicht jeder, der sich anders gibt als die Masse muss untergehen. Ich weiß es aus eigener Erfahrung.

patrick wrote on 2005-11-21 13:27:33

...bis jetzt.

Erinnert mich an mein "3 Zeilen zu wenig", auch wenn die einzigen Parallele Meinung und Thema sind. Danke nochmal für den Beitrag!

Patrick

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