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Nacktes Sein

Über das nackte Dasein, die penetrante Existenz und den dünnen Film auf der Milch.

Ich glaube die richtige musikalische Untermalung für diesen unnützen Beitrag ist Sadé. Ich höre überhaupt viel Sadé in letzter Zeit. Nicht das das von Bedeutung wäre, aber es hat auch nicht weniger Bedeutung als die Erfindung der Einkommenssteuererklärung oder eine 40-seitige Abhandlung über das Fühlen und Denken von Lüftungshaubengebläsen.

"My love is wider .... wider than Viktoria Lake" singt Sadé gerade - und höher als das Empire State Building ist ihre Liebe auch. Klingt sympathisch.

In der letzten Zeit muss ich wieder oft an Kreise denken. Oder besser: Mein Denken zirkuliert um Kreise. Oder dreht es sich um sich selbst?

Was steckt dahinter? Was steckt hinter all diesen kleinen Ritualen blanker Menschlichkeit? Die 20 Minuten im Supermarkt, der Blick in den Briefkasten oder das Schlafzimmerfenster der Nachbarin, das Dreschen leerer Phrasen in den unpassendsten Momenten, das Kaffeetrinken im Café, Zeitunglesen in der S-Bahn ...

Warum drängt sich mir nur überall wo ich hinsehe diese Existenz der Dinge auf? Die Existenz von weltbewegenden Nichtigkeiten und trivialer Lebensnotwendigkeit?

Das Leben schmeckt schal. Es ist wie Sartre sagt, überall platzen die Pfirsich-Häutchen des lieben Gottes. Oder, auch sehr gut, die Beschreibung des Wassers in "Homo Faber".

Der Ekel tritt überall so deutlich zu Tage, das er fast in Schönheit ausufert. Die Schönheit tritt über die Ufer, um den Ekel mitzureißen in ihren Fluten, ihn mitzureißen, so dass er von da an auf der Oberfläche treibt wie eine aufgedunsene Wasserleiche.

Überall Oxymorone. Wo ich hinsehe offenbaren sich das Schlechte im Guten und das Richtige in der Falschheit, wo ich hinsehe zerreißt die Situation, um Bilder aus der Hölle in die Welt zu projizieren. Blutige Fratzen, die sich in den Brüsten einer Prostituierten fest gebissen haben, die die Titelmelodie von "4 Fäuste für ein Halleluja" summt.

Wenn ich sehe, wie die Welt in Trivialität zerfällt, möchte ich mich manchmal erschießen, um zu schauen, ob ich noch am Leben bin - und das auch nur an den guten Tagen -, möchte mich übergeben, um festzustellen, ob mir schlecht ist.


Habe ich sonst immer allen Situationen mehr Bedeutung zukommen lassen, als sie verdient hätten, so erscheinen mir heute die Situationen leer wie Schnapsflaschen. War ich früher melodramatisch, so fühle ich mich jetzt nur noch apathisch. Ob das Leben wie eine Droge ist? Erst bekommt man nicht genug, dann langweilt es, weil es nicht mehr wirkt. Wenn man jeden Tag sein Lieblingsgericht isst, dann verliert es den Reiz, den Geschmack, wenn man sein Leben liebt, sollte man einige Tage der Woche tot sein.


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Kommentare

patrick wrote on 2006-02-16 15:28:29

Danke erst einmal für deine beiden Kommentare. Es ist nett gemeint, mir Ratschläge zum Umgang mit Menschen zu geben. Allerdings habe ich bereits 2mal solch einen Brauch herbeigeführt, und ein Dritter steht bevor. Die Veränderungen waren vielfältig und eher angenehm. Aber ich habe mich dadurch nicht signifikant verändert, und das Problem liegt bei mir selbst; bei meinen weltfremden Erwartungen. Naja, wie gesagt, ich versuche es trotzdem weiter auf eben dem Weg den du beschreibst; wenn in einem Jahr Schmetterlinge durch meine sonnigen Texte flattern, dann hat es wohl funktioniert. Aber auch wenn nicht geht das Leben einfach weiter. Man sollte sich nicht so wichtig nehmen, wie ich das oft tue.

Anonymous wrote on 2006-02-15 21:03:09

es scheint, dass es am besten ist erst mal ganz "Schluss" zu machen mit den Menschen, um dann einen neuen, aber ganz anderen Anfang zu finden. Ein kühler Riss ist das Beste, um erfrischt nach Neuem zu suchen, um dann offen sein zu können für Neues. Allerdings wird dies ein leiser, scheuer, langwieriger Neuversuch, denn die Seele ist ja wie oben beschrieben geschockt vom Erlebten bei den Menschen.

Nur ein vorsichtiger Neuanfang kann da helfen, nach einem starken Abschied, doch jeder der es wieder wagt, wird belohnt werden.

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