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Die Welt als Wille und Vorstellung

Eine kurze Darstellung der Kerngedanken aus dem Hauptwerk A. Schopenhauers

Im vorliegenden Essay werde ich versuchen, die Grundgedanken von Schopenhauers Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung aus dem Jahre 1819 zu erläutern.
Daran anschließend, werde ich in einem weniger analytischen Teil versuchen, seinen Pessimismus anhand des Postulats des Willens darzustellen, und eher pragmatisch als analytisch Stellung zu der Frage beziehen, ob seine pessimistische Haltung aus gegenwärtiger Perspektive nachvollziehbar ist.

Die Welt ist meine Vorstellung, so der erste und tragende Leitsatz des systematischen Hauptwerkes von Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung. Es wird ihm dann deutlich, dass er keine Sonne kennt und keine Erde; sondern immer nur ein Auge, das eine Sonne sieht, eine Hand, die eine Erde fühlt; daß die Welt, welche ihn umgibt, nur als Vorstellung da ist, d.h. durchweg nur in Beziehung auf ein Anderes, das Vorstellende, welches er selbst ist.

Das, was wahrnehmbar ist, sind somit nicht die Dinge an sich, sondern nur deren Erscheinung. Wir erkennen demnach nicht deren wahre Natur, sondern wir machen uns ein Bild von ihnen. Alles Erkennbare ist somit eine Vorstellung, ein Konstrukt.
Der Vorgang des Erkennens setzt ein erkennendes Subjekt und ein erkanntes Objekt voraus. Die Objekte sind jene Dinge, die Schopenhauer Vorstellung nennt.

Dasjenige, was alles erkennt und von keinem erkannt wird, ist das Subjekt.
Somit zerfällt nach Schopenhauer die gesamte Welt in Subjekt und Objekt, wobei die erkannten Objekte die Vorstellungen des Subjekts in Bezug auf jenes sind. Das Subjekt hat eine Vorstellung, und diese Vorstellung ist eben die Wahrnehmung des Objektes.

Da die Objekte Vorstellungen des Subjekts sind, bestehen jene auch nur für das Subjekt, sprich: das Subjekt generiert die Objekte als Vorstellung.
Dementsprechend seien im Folgenden Erscheinungen und Vorstellungen synonym zu verstehen.
Die Objekte als Inhalte der sinnlich wahrnehmbaren Welt sind vielfältig, seien es Erscheinungen von Mäusen, der Sonne oder einer Flasche Rotwein. Diesen Erscheinungen liegt jeweils Verschiedenes zugrunde.

Was diesen Erscheinungen bzw. Vorstellungen zugrunde liegt, ist, um den ersten Bezug zu Kant deutlich zu machen, das Ding an sich, ein metaphysisches, nach Kant nicht direkt wahrnehmbares, Ideal.
Das Ding an sich unterliegt selbst nicht den Gesetzen der Erscheinungen (Raum, Zeit, Kausalität) und ist auch keiner Subjekt - Objekt - Beziehungunterworfen, da es sich außerhalb der sinnlich wahrnehmbaren Welt befindet.

Wie unterscheidet man nun aber eine Maus von einer anderen? Hierzu müssen Kategorien gefunden werden, die diese Differenzierung möglich machen, denn beiden liegt dasselbe Ding an sich zugrunde, und zwar die Idee der Maus.

Die Verschiedenheit und Vielheit von Objekten, beispielsweise von zwei Mäusen, wird durch Kategorien bestimmt. Diese Kategorien hat Schopenhauer von Kant übernommen. Sie sind ideelle Konstrukte, implizite a priori Vorstellungen, die jedem Erkenntnisvorgang vorausgesetzt werden (müssen). Gemeint sind Raum und Zeit, durch welche die Vielheit von Objekten erst möglich ist.

Kausalität ist eine weitere implizite Annahme, durch welche uns die Welt gesetzmäßig erscheint. Wie die Kausalität inhaltlich mit den anderen beiden ideellen Kategorien, Raum und Zeit zusammenhängen, sei im Folgenden erläutert.

Die drei Kategorien liegen a priori im Geiste des Subjekts. Ohne Subjekt werden Objekte nicht erkannt, also kann das Subjekt selbst nicht diesen Kategorien unterliegen und somit nicht selbst erkannt werden.
Das Wirken ist das Wesen der Kausalität. Wirken bedeutet Veränderung, und Veränderung von etwas muss irgendwo geschehen (nämlich im Raum), und kann nur da festgestellt werden, wo sich eine zeitliche Differenzierung nachweisen lässt.
...und was in jedem von jenen beiden für sich unmöglich ist, muss sie in sich vereinigen, also die bestandlose Flucht der Zeit mit dem starren unveränderlichen Beharren des Raumes,...

Somit offenbart sich die Kausalität als die Verbindung von Zeit und Raum, bildet also ein geschlossenes System der Kategorien der Vorstellungen.
Erkenntnis durch ein Subjekt ist immer nur Erkenntnis einer Erscheinung, nicht eines Erscheinenden, wobei letzteres die wahre Natur des Objektes, das Ding an sich, meint.

Schopenhauer meint hiermit, dass man das Ding an sich, und bildet somit wieder den Bezug zu Kant, nicht unmittelbar erkennen kann. Daraus folgt, dass das Ding an sich keine Vorstellung ist, sondern der Vorstellung zugrunde liegt.

In der Tradition des Philosophen Immanuel Kant ist es das Ding an sich, was allen Erscheinungen zugrunde liegt. Das Ding an sich ist bei Kant also nicht über die Erfahrung oder das Erkennen zugänglich, sondern wird als implizite Vorstellung vorausgesetzt, um einen Erkenntnisvorgang erst zu ermöglichen.
Das Anliegen Schopenhauers war die inhaltliche Bestimmung dieses Dings an sich, was nach Kant nicht möglich sei.

Ausgangspunkt dieses Anliegens ist die Selbstbetrachtung des Menschen als Subjekt.
Der Mensch hat nach Schopenhauer unmittelbaren Zugang zu sich selber, er ist sich seiner selbst bewusst. Er kann sich also nicht selbst als Vorstellung erscheinen, da er selbst der Träger der Vorstellung, und somit Voraussetzung für jene ist.

Er ist sich bewusst, dass er der Träger jener Vorstellungen ist, die für ihn die sinnliche Welt ist. Da der Mensch sich selbst also keine Vorstellung sein kann, muss seiner Selbsterkenntnis etwas anderes zugrunde liegen, und das ist das, was Schopenhauer den Willen nennt.

Selbsterkenntnis meint an dieser Stelle die Vergewisserung des eigenen Geistes, nicht seiner körperlichen Erscheinung, des Leibes. Letzeres bezeichnet Schopenhauer nämlich sehr wohl als Erscheinung der sinnlich wahrnehmbaren Welt.

Der menschliche Geist als Subjekt erscheint sich selber also nicht als Vorstellung, sondern als Wollendes.
Wenn das Subjekt sich als Wollendes erscheint, und der Mensch als Subjekt die Voraussetzung für die Vorstellung ist, lässt sich schlussfolgern, dass der Wille der Vorstellung zugrunde liegt und zwar nicht nur der des Leibes, sondern jeglicher Vorstellung.

Das wollende Subjekt ist die nötige Voraussetzung für seine Vorstellung der Welt. Die Welt zerfällt in Subjekt und Objekt.

Sie ist Wille und Vorstellung.

So wie Wille bei Schopenhauer ein schlechtsinniges Übel ist, sind Ding an sich und Welt voller Übel. Wille ist Primat, ist Wesen, und dieser Wille entäußert sich in seine verschiedenen Erscheinungen. Im Kosmos und in der irdischen Sphäre, im Körper, in der Sphäre des Bewußtseins, überall Wille. Wille ist das ontische Prinzip Unruhe, das Prinzip Individuation, das Prinzip Egoismus, das Prinzip Übel in allen Erscheinungen der Welt.

Die allgegenwärtige Präsenz des Willens, seine Manifestation in allerlei Erscheinungen der Welt, bilden die Grundlage für die pessimistische Welthaltung Schopenhauers.

Hierbei gilt es jedoch klar zu trennen, zwischem dem Willen als Ding an sich, und den einzelnen Willensakten, die, Schopenhauer nach zu urteilen, sehr wohl eine Motivation, einen Ursprung haben, wohingegen der Wille als metaphysisches Ideal, wie bereits erläutert, grundlos ist. Man kann also sagen, es ist grundlos, dass wir wollen, aber wir wollen nichts ohne Grund.

Jeder Willensakt ist bei Schopenhauer ein Streben. Die Motivation dieses Strebens ist der Mangel, der sich in den meisten Lebenslagen offenbart. Erreicht der Mensch aber jenes, nachdem er gestrebt hat, stellt sich keine Zufriedenheit ein, sondern Langeweile. Denn die Zufriedenheit im Sinne einer Ataraxie würde bedeuten, dass der Mensch nichts mehr will (wobei "mehr" durchaus quantitativ verstanden werden kann).

Der Wille ist aber in Form einzelner Willensakte omnipräsent, der Mangel, der jene Akte motiviert, allgegenwärtig. Auf den Mangel folgt eine Art Übetsättigung, die Konsequenz ist ein neues Strebenbedingt durch einen neuer Mangel.

Gerade heutzutage, in Zeiten eines wuchernden Kapitalismus empfinde ich diesen pessimistischen Grundgedanken als durchaus nachvllziehbar und gerechtfertigt. Das Übermaß des Konsums kennt keine Grenzen mehr, das scheinbare Glück wird über materielle Güter definiert, die der Vergänglichkeit ausgesetzt sind und schon bald nicht mehr befriedigen.

Der Konsum füllt die Lücke zwischen Mangel und Übermaß, Streben und Ernüchterung, scheinbaren Erfordernissen und der bitteren Einsicht, dass das, wonach ich strebe, mich nicht glücklich macht, wenn ich es erreicht habe.

Statt daraus aber Rückschlüsse zu ziehen, die den Konsum an sich als vermeintliches Problem klassifizieren, heißt es frei nach dem Motto: Höher, schneller, weiter: Wir brauchen mehr! Ob aber die Erhöhung der Messlatte, die eben das Erreichen eines bestimmten Zieles schwieriger und somit vermeintlich erstrebenswerter macht, das Problem löst, oder den Effekt nicht sogar noch verstärkt, weil die Intensität der Langeweile und Enttäuschung den qualitativen Indikator für ein neues Streben ist, stellt eine wichtige Frage in diesem Kontext dar.

Schopenhauer würde wahrscheinlich zweiteres behaupten, und ich würde ihm Recht geben. Er begreift das Leben der Menschen als Pendelschlag zwischen Mangel und Langeweile.

Das Konzept des Willens, sowie das darauff aufbauende Modell des Pendelschlages zwischen Mangel und Langeweile, was die pessimistische Perspektive der schopenhauer´schen Philosophie expliziert, lässt keinen Platz für Optimismus oder die grundsätzliche Haltung, dass der Mensch in der Lage wäre, glücklich zu sein.



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