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Freiheit - als eine schöne Kunst betrachtet

Dieser Text wurde anlässlich eines Schreibwettbewerbes der Stadt Weimar zum Schillerjahr verfasst. Als Genre wurde das Essay festgelegt.

Ein Essay zum Thema

Freiheit - als eine schöne Kunst betrachtet



Freiheit zu betrachten scheint oft eine überflüssige Herausforderung, gleitet der Blick doch immer wieder ab am großen Klischeegewand, welches sich um diesen Begriff herum aufbaut, ohne sich mit dem nüchternen Kern der Sache zufrieden zu geben. Schlage ich beispielsweise das gute Handlexikon des Bibliographischen Instituts Leipzig von 1982 auf, so muss ich unter "Freiheit" lesen: "Verhältnis des Menschen zur objektiven Gesetzmäßigkeit in Natur und Gesellschaft, insbesondere der Grad der Erkenntnis und prakt. Beherrschung, der historisch bedingt ist. F. verwirklicht sich..., usw.". Was folgt ist eine mich langweilende Anklage der Klassengesellschaft, dessen Anfügung dem Leser überlassen sei. Meine Ansprüche an eine passende Definition sind eher minimalistisch. Mein Lexikon würde unter "Freiheit" folgendes verzeichnen: "Freiheit: Mangel an Einschränkung". In Wahrheit besticht der Begriff "Freiheit" nämlich durch seine fühlbare Durchsichtigkeit. Er ist ein "Nichts-Begriff", der lediglich durch sein Contraire definiert wird, ähnlich wie "Vakuum" oder "Leere. All dies sind Begriffe, welche der Mensch erdacht hat, um seine Sprache zu vereinfachen, bzw. um Synonyme zur Ästhetisierung des literarischen Stils zu schaffen. Aus "die Uneingeschränktheit" wird "die Freiheit". Eine Stilisierung, die keinesfalls so unsinnig ist, wie ich es jetzt vielleicht dargestellt habe, wird doch mit dem Wort "Freiheit" ein elementares Gefühl des Menschen benannt, zu vergleichen mit "Liebe", "Hass", "Trauer" usw.. Dies bringt Freiheit und Kunst schon sehr nahe zusammen. Wenn die Freiheit vom Gefühl zum Lebensgefühl avanciert, man in der Freiheit aufgeht und sich in ihr selbst verwirklicht, so wird sie zur Kunst. Anders gibt es keine Kunst. Kunst ohne Selbstverwirklichung besitzt keine Seele. Sie hat keine Persönlichkeit und kein Gesicht, von dem ich mich angesprochen fühlen kann. Ohne all diese Dinge wird Kunst zum schlichten Handwerk und das bedeutet, man erhält am Ende entweder Kitsch oder Pop. Kitsch ist ideenlos und überladen, nahezu mathematisch konstruierbar aus den simpelsten Gesten und Bildern, welche sich den Menschen einprägen. Er ist nichts als naive Heuchelei. Pop ist das selbe, nur dümmer und kreativer, was ihn ungefähr auf die selbe Distanz zur Kunst bringt, wie es beim Kitsch der Fall ist. Dies dürfte auch meine Ambitionen zur moralischen Kreuzigung Andy Warhols und aller anderen Vertreter der "Pop-Art" erklären. Es gibt kaum ein größeres Verbrechen an der Kunst als die Vereinigung mit dem Pop. Das ist Rufmord, Majestätsbeleidigung und Vergewaltigung in einem. Könnte man Kunst töten so wäre Pop das Mordinstrument an zweiter Stelle, gleich hinter dem Kitsch und vor dem 3. Weltkrieg. Und mit dem Ableben der Kunst geht das des Lebensgefühls einher, denn Kunst, so sagte ich, ist das Lebensgefühl, das "Selbst-Sein". Jeder Mensch welcher die Kunst beherrscht, er selbst zu sein, hat sich selbst gefunden. Alles was von diesem Lebensgefühl abweicht, wird sich für die entsprechende Person sehr bald als Lüge an ihrer selbst herausstellen. Möge ich mich selbst vor dem Kitsch, vor dem Pop und vor der Oberflächlichkeit bewahren. Möge ich immer direkt durch die Oberfläche hindurch schauen, wie durch den Wasserspiegel, um mich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und mich nicht von schillernden Reflektionen nach oben in ein großes Nichts ablenken lassen, denn ich bin in mir selbst gefangen und dazu gezwungen mich selbst als Werkzeug zur Wahrheitsfindung zu nutzen und ohne Werkzeug keine Wahrheit. Zu dieser Wahrheit gehört denn nun auch die Freiheit, um die es hier schließlich geht und dass meine Freiheit stark von mir selbst determiniert wird, kommt nun grade in den aktuellen Diskussionen zum Thema "neuronale Determination", bzw. "Willensfreiheit" wieder stark zum Tragen. An dieser Stelle muss ich nun leicht vom Kontext abweichen und kurz auf dieses Problem eingehen, denn ich selbst kann dieses ganze Geschwafel um den "freien Willen" übrigens überhaupt nicht verstehen. Alle Welt macht ein großes Theater darum, dass unser Willen vom Gehirn bestimmt wird, dabei frage ich mich: wodurch soll er denn sonst bestimmt werden? Da gibt es nichts in unserem Körper, das sonst noch Entscheidungen treffen könnte. Und was stellen sich diese Herren und Damen denn unter Entscheidungsfreiheit vor? Unabhängigkeit von unserem Gehirn? Willkür? Hat es denn von den Herrschaften irgendjemand für möglich gehalten sich gegen sein eigenes Gehirn entscheiden zu können? Man muss schon eine sehr gespaltene Persönlichkeit besitzen um solch ein Kunststück zu beherrschen. Sogar die Entscheidung zu einer willkürlichen Handlung muss doch zuvor entschlossen werden, ganz egal wie zufällig sie auch sein mag, wenn man sich zum Beispiel dazu entscheidet den Arm in irgendeine zufällige Richtung zu bewegen. Irgendwo muss doch entschieden werden, welche Richtung der Arm einschlagen soll und wo soll sonst diese Entscheidung gefällt werden, wenn nicht im Gehirn? Und dass das Gehirn durch bestimmte Faktoren zu seinen Entscheidungen determiniert wird ist ebenso verständlich, denn Willkür und Zufall gibt es im Gehirn nicht. Es ist immer eine Kausalkette, die zu einer Entscheidung führt. Mein Gehirn ist durch die Evolution darauf programmiert immer das Bestmögliche zu entscheiden und das schließt Willkür, Zufall und jede Entscheidung gegen mein Gehirn vollkommen aus. Ich denke weitere Ausführungen zu diesem Thema sind überflüssig, denn, wie gesagt, ich verstehe die ganze Diskussion überhaupt nicht. Trotz allem musste ich mich nun doch an ihr beteiligen und mich selbst mit dem letzten Satz lächerlich machen, doch vielleicht ist das ja auch berechtigt.

Doch zurück zu den Gefühlen: Wie schon gesagt, es ist eine Kunst man selbst zu sein. Hier muss ich nun meine frühere Aussage ergänzen, denn es ist sehr wohl auch eine Kunst, ein Gefühl richtig auszuleben und umzusetzen, es sozusagen richtig zu interpretieren indem man das Gefühl "ist". Dies fügt sich nun jedoch in die Annahme "Kunst ist Selbstverwirklichung" ein, denn die Gefühle sind ein elementarer Teil des Selbst. Sie sind die Basis, der Ausgangspunkt jeder Form von Persönlichkeit. Die Freiheit und die Kunst frei zu sein sind ebenso Bausteine der Persönlichkeit und erst wenn man die Künste jeder Emotion beherrscht, hat man sich selbst gefunden. Doch einmal bei dem Stichwort "die Kunst frei zu sein" angelangt, will ich nicht gleich wieder in die Kunst der allgemeinen Gefühlswelt abschweifen.

Ja, es ist eine Kunst wahrhaftig frei zu sein, so wie es nach Erich Fromm auch eine Kunst ist zu lieben und es ist genauso Kunst wahrhaftig zu trauern, zu hassen und sich zu freuen, ohne dabei einer Lüge oder einer Täuschung zum Opfer zu fallen. Und wie ist man nun "richtig" frei? Ich selbst beherrsche diese Kunst natürlich nicht, wie könnte ich auch? Mit 17 Jahren kann mein Erfahrungsspektrum noch nicht groß genug sein um mich selbst und mit mir meine ganze persönliche Freiheit zu erfahren. Freiheit halte ich denn hier auch für etwas ganz persönliches, was jedem eigen ist und was jeder für sich selbst finden muss. Es ist die Kunst mit den richtigen Schranken zu leben und die falschen zu zertrümmern. Die selbstgerechte Auslese der richtigen Schranken unterscheidet nun die extrovertierten von den introvertierten Menschen. Ich nehme an dieser Stelle eine fließende Kategorisierung der Menschen vor, die man bitte entschuldigen möchte, denn sie ist für die Weiterführung meiner Darlegung notwendig um meine Gedanken zu veranschaulichen. Ich verabscheue in Wahrheit solche Einteilungen, weil sie immer irgendetwas übersehen und so werde vielleicht auch ich jetzt etwas übersehen. Zur Erläuterung meiner Hypothese sollte das allerdings ein geringes Opfer sein.

Ob ein Mensch nun extrovertiert oder introvertiert geprägt ist, hängt natürlich ganz von psychologischen Aspekten ab, Milieu, Erziehung usw.. Introvertierte Menschen sind an dieser Stelle durch eine gesunde Schizophrenie zu charakterisieren. Sie tilgen und errichten Schranken in ihren Köpfen, außerhalb des Horizonts anderer, sodass sie für sich selbst frei sind und an den Schranken der Realität abgleiten, ohne sich von ihnen stören zu lassen oder anderen mit ihrem Freiheitsdrang das Leben zu erschweren. Extrovertierte sind da wesentlich exzentrischer. Sie bäumen sich gegen die sich ihnen darbietende Realität auf und zertrümmern alles was ihnen im Wege steht. Gesunde Ignoranz und Risikofreude zeichnen diese Prägung aus.

Wie gesagt handelt es sich hier um fließende Kategorien, von denen ich hier lediglich zwei Extrempole aufgezeigt habe. Im Grunde geht es hier um zwei verschiedene Gesten des "Freiseins". Das "Freisein für sich selbst" und das "sich frei machen". Beides ist Teil der Kunst frei zu sein und beide Gesten bergen ihre Risiken, welche natürlich offensichtlich sind. Die "gesunde" Schizophrenie der Introvertierten, drückt allein in der von mir gewählten Bezeichnung schon ihre Risiken aus. Realitätsverlust will gekonnt und wohlüberlegt sein, um den Menschen nicht in tiefe Abgründe zu stoßen. Sobald man aufhört über seine Verdrängungen nachzudenken, offenbart sich die Gefahr des Illusionismus'. Die Beschreibung der Folgen ist an dieser Stelle überflüssig. Das Gegenteil des "Freiseins für sich selbst", das "sich frei machen", ist der moralische Bulldozer. Es ist eine Freiheit die sich anderen aufdrängt. Ergebnis dieser Freiheit ist das Wohl Einzelner zum Leid Vieler. Bestes Beispiel hierfür ist wohl die Klassengesellschaft. Die Langeweile, welche sich beim Anklingen dieser Debatte in mir auftut, habe ich schon zu Anfang bekundet, deswegen werde ich die Darlegung des Themas erneut überspringen.

Es sind hier ebenfalls philosophische Repräsentanten der "Kategorien" zu nennen. Ich möchte auf der einen Seite Rousseau und auf der anderen Nietzsche anführen. Man könnte auch den Christen und den Übermenschen gegenüberstellen oder die christliche und die antichristliche Philosophie. Beide versuchen auf verschiedene Weise das Problem der persönlichen Freiheit zu lösen. Die eine Seite predigt die Unterwerfung aller unter jeden, die Aufgabe der persönlichen Freiheit um die allgemeine Glückseligkeit zu gewähren. Die andere Seite predigt die Unterwerfung aller unter sich selbst um die eigene Glückseeligkeit zu gewähren. Weitere Ausführungen würden den schon sehr rissigen Rahmen des Essays sprengen, also mache ich hier einen Punkt. Man mag diese Philosophien als Techniken der Freiheitskunst bezeichnen. Eine gelungene, auf die Persönlichkeit des Künstlers abgestimmte Harmonie dieser Prinzipien zu finden ist hierbei die Schwierigkeit. Natürlich ist es auch möglich, dass eines dieser Prinzipien unter keinen Umständen auf harmonische Weise mit der Persönlichkeit des Künstlers zu vereinen ist. Die Lebensart (ein kleines Wortspiel) dieser Künstler steht den Kunstwerken anderer selbstverständlich in keiner Weise nach, im Gegenteil. Hinter solch einem Leben steht eine Überzeugung, welche vom Künstler in keiner Weise betrogen wird und stets vor der Verunreinigung durch Kompromisse bewahrt wird. Solch ein Kunstwerk kann allerdings nur von einem echten Meister geschaffen werden, einer Ausnahmepersönlichkeit, die es versteht ihre Philosophie mit dessen ärgsten Widersachern zu versöhnen. Im Falle des extrovertierten Künstlers sind dies seine Mitmenschen. Er wird es zwar nicht schaffen ihnen seine Anschauungen angenehm zu machen, allerdings ist ihm jedwede Reflektion seiner Taten von Seiten der Menschen ohnehin unwichtig, weil er selbst Alpha und Omega ist. Somit erreicht das Leid anderer in seinen Augen noch nicht einmal den Status einer Opferung, sondern ist eine Notwendigkeit um sein Wohlbefinden zu gewährleisten. Das Leid wird nicht ignoriert, ihm wird lediglich kein Wert beigemessen. Durch diese Moralumwälzung wird eine der größten Freiheitsschranken des Künstlers eingerissen: das Wohl anderer Menschen. Es offenbart sich dadurch eine Freiheit, welche nur auf materialistischem, bzw. physikalischem Wege begrenzt werden kann. Der Gegenpol dieses Übermenschen ist der introvertierte Künstler, der "Überchrist". Bei ihm verhält es sich genau umgekehrt. Er stuft sein eigenes Verlangen stets tiefer ein als das anderer. Er stellt sich nicht wie der Übermensch gegen alles und jeden, sondern nur gegen sich selbst. Seine eigenen Bedürfnisse sind sein größter Widersacher und diesen gilt es zu tilgen, denn sobald er keine eigenen Bedürfnisse mehr hat, benötigt er auch keine Freiheit mehr um sie zu befriedigen.

Im Nachhinein fällt es auch auf, dass sich das Bedürfnis nach Freiheit am Wert, den sich der entsprechende Künstler sich selbst zuschreibt, gemessen werden kann. Die zwei Beispiele repräsentieren natürlich wieder schwarz und weiß. Die Frage ist an dieser Stelle, ob Kompromisse erwünscht sind, denn solcherlei Eingeständnisse fügen dem Kunstwerk noch eine weitere Schwierigkeit hinzu. Man muss seinen eigenen Wert mit dem seiner Umwelt in Einklang bringen, womit der Künstler einem steten Abwiegen des Für und Wider unterlegen ist. Dieses Abwiegen und die damit verbundene, stetige Präsenz des Verstandes sind von essentieller Relevanz, wenn es um die Wahrung der Persönlichkeit geht, denn ohne den Einklang mit der Persönlichkeit führen die Kompromisse zu allem, nur nicht zu Kunst. Sie führen zu Pop, Kitsch und Lüge, aber vor allem nicht zu Freiheit. So ist es zum Beispiel ein falscher Kompromiss, sich zum Schwimmen mit dem Strom zu entscheiden. Solches Verhalten zeugt in meinen Augen von grässlicher Willensschwäche, welche für die Qualität der Kunst von großer Bedeutung ist. Bei der Erschaffung eines großen Kunstwerks bedarf es immer einer gewissen Radikalität im Bezug auf den Eigenwillen. Natürlich ist es möglich, dass der Eigenwille des Öfteren mit dem des Stromes übereinstimmt, ein permanentes Auftreten dieses Phänomens ist allerdings sehr unwahrscheinlich, zumal große Kunst meist auch extraordinär und somit zwangsweise gegen den Strom gerichtet ist. Die Attraktivität solcher Kunst liegt jedoch ganz sicher nicht in der Rebellion, sondern in der Individualität des Künstlers. Dies muss nun bedeuten, dass zur Kunst immer eine Überzahl an Menschen gehört, die es falsch macht. Und wenn nun irgendwann einmal alle Menschen richtig frei sein sollten? Das ist wohl sehr unwahrscheinlich, allerdings, so glaube ich, wäre ich unwahrscheinlich viel seltener deprimiert, angesichts der Last, welche mir mit dem Pop und mit der Verblendung der Menschen um mich herum vom Herzen fallen würde.

Ich will nun aber den "Strom", wie ich es genannt habe, nicht vollkommen zu Grunde richten. Mein energisches Contra, welches ich hier gegen den "Mainstream" ausgerufen habe ist sicherlich auch Produkt meines Unmutes, der nur zu oft vom Einfluss dieses Stromes provoziert wird. Immerhin bleibe auch ich nicht von ihm verschont und es kommt natürlich auch vor, wenn auch selten, dass mich der Strom bei meinen Gedankenentfaltungen auf dem Boden hält. Er dient mir in manchen Fällen sozusagen als Realitätsmaßstab, aber auch dieser wird bei tiefergehenden Untersuchungen oft als Trugbild enttarnt. Letztenendes will ich damit sagen, dass man sich bei der freien Entfaltung des Selbst und der damit verbundenen Kunst vom "Mainstream" lossagen sollte. Es sei jedoch vor der kategorischen Verneinung dieser Strömung gewarnt, denn mit solch einer Setzung von Schranken wird die eigene Freiheit ebenso gedrosselt.

Bevor dies hier allerdings zu einer polemischen Abhandlung zu Thema Pop und Mainstream ausartet, will ich mich lieber einem anderen Punkt der Freiheit zuwenden, denn es sind, bevor ich zum Ende komme, noch einige Worte über den eigentlichen Auslöser dieses Diskurses zu verlieren: Friedrich Schiller, einen Mann bei dem zu Recht behauptet werden darf, er habe die Freiheit als eine schöne Kunst praktiziert. Man darf allerdings nicht vergessen, dass er zu seiner Lebzeit sehr "günstige" Bedingungen vorfand um seine Freiheit als Kunst auszuleben. Schiller musste heftigst gegen den Despotismus der Obrigkeiten und den Strom in der adligen Oberschicht anschwimmen um sich frei entfalten zu können. Er lässt sich dabei jedoch nicht zum Rebellen oder gar zu Helden stilisieren, sondern schafft es durch Nutzung seines Verstandes und durch Entfaltung seiner selbst die Freiheit zu einer Kunst zu machen. Es gab für ihn keine offiziellen Regeln, nur die eigenen, vom Verstand kreiert. Individualität und Unvoreingenommenheit, Ehrlichkeit und Unkonventionalität, Stil und Kreativität, das waren Schillers Schlüssel zur Freiheit, dies sind Tugenden für jeden Künstler.

Abschließend lässt sich sagen, dass zur Lehre der Freiheitskunst viel pädagogisch wertvolle Polemik gehört, lässt sich doch alles in diesem letzten Beispiel Schillers zusammenfassen. Der Mensch jedoch denkt nur selten nach und muss oft in langen Belehrungen und philosophischen Ausführungen an das erinnert werden, was er eigentlich ist und was er eigentlich möchte, denn dies sind die ausschlaggebenden Faktoren zur Findung der Freiheit und die Ausübung dessen als Kunst. Entgegen der allgemeinen Auffassung gehört zum Freisein nämlich ein großes Maß an Denkleistung und Selbstdisziplin, denn wenn man sich gehen lässt werden oft Situationen heraufbeschworen in welchen wichtige Schranken überrannt werden und man sich von falschen Hemmungen einschüchtern lässt. Erst wenn man seinen wahren, vom Verstand ausgeklügelten Willen gefunden und verinnerlicht hat ist man womöglich frei. Verstand und Persönlichkeit müssen vereint und entfaltet werden. In Frage zu stellen ist am Ende nur die Individualität des Verstandes.



22.07.05


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Kommentare

patrick wrote on 2005-08-20 08:41:57

Eine Theory of Everything? Klingt spannend !! In welche Richtung gehts denn ?

Oliver Holtz wrote on 2005-08-18 20:13:00

vielen dank. ich hoffe ich kann das Niveau aufrecht erhalten. ich hab da derzeit was für eine TOE herumgeistern und versuch's in Buchstaben zu bannen. mal sehn ob das was wird...

patrick wrote on 2005-08-16 18:20:11

Dein Essay ist erstaunlich gut gelungen. Ich bin wirklich beeindruckt. Danke für den tollen Beitrag !

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