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Phaidon, Anemnesis, Unsterblichkeit der Seele - Darstellung eines Beweises

Kurze Erläuterung zu einem Kernstück aus dem "Phaidon" von Plato

Der erste Unsterblichkeitsbeweis der Seele ergibt gekoppelt mit der Anemnesis Lehre eine vermeintlich geschlossene Argumentation.

Diese lehnt sich an Heraklits Weltbild an, dass es keine Beständigkeit gibt, dass Sein kein stagnativer Zustand, sondern ein Prozess des Werdens ist. Alle Dinge entstehen aus ihrem Gegenteil. Rein logisch betrachtet ist dies schlüssig: Der Zustand lebend beispielsweise wird durch sein Gegenteil definiert, dass nicht tot sein, welches wiederum durch lebend definiert wird. Es ergibt sich ein (logischer) Zirkel, der den Prozess des Seins als Werden veranschaulichen soll.

Wenn nun aber Leben und Tod ein sich ständig wiederholender Prozess sind, kann es keinen Unterschied zwischen Prä-und Postexistenz geben, denn beides ist der Zustand des nicht am Leben Seins.

Dies erklärt allerdings nicht letztendlich, warum nicht auch die Seele, wie der Körper sterben sollte. Die Argumentation hierfür geht von mehreren Prämissen aus:

Zum einen ist Lernen gleichgesetzt mit Wiedererinnerung der Seele, wobei man sich diese Erinnerung als unwillkürliche Assoziation vorzustellen hat. In Platons Menon findet sich hierzu ein passendes Beispiel, in dem Sokrates einen Sklaven einfache geometrische Wahrheiten entdecken lässt; dies soll hier aber nicht weiter behandelt werden.

Des Weiteren geht Sokrates davon aus, (anders als später Aristoteles) dass Erkenntnis mehr ist als nur sinnliche Wahrnehmung und dass sie sich nicht lediglich aus empirischen Urteilen ergibt.

Platon geht davon aus, dass es nicht sinnliche Wesenheiten gibt, Gegenstände der Erkenntnis, zu denen man keinen direkten empirischen Zugang hat, nämlich die Dinge an sich, die Ideen.

So sind zwei gleiche Dinge nur deshalb gleich, weil sie einer äquivalenten Weise an der Idee des Gleichen,also am Gleichen selbst, teilhaben. Dass diese nicht empirisch zugänglich ist, ergibt sich daraus, dass Platon zwar davon ausgeht, dass es diese Ideen gibt, man sie aber nur tatsächlich erfassen kann, wenn man ihnen empirische Dinge zuordnet.

Somit ist die Idee die Voraussetzung der Erkenntnis, kann aber selbst wieder nur durch empirische Dinge indirekt wahrgenommen werden. Wenn man etwas erkennt, verknüpft man also sinnliche Wahrnehmung mit nicht sinnlichen Wahrnehmungen, die auch, wenn sie nicht klar ausgesprochen werden können, intuitiv vorhanden sein müssen, um die empirische Erkenntnis möglich machen zu können.

Diese Kenntnis der Idee muss also schon vorhanden sein, bevor ich etwas erkennen kann, weil ich eben dies nur kann, wenn ich den Begriff der Idee dessen, was ich erkenne will, haben muss.

Die Seele wird also zum Erkenntnisinstrument der Idee und daraus wiederum lässt sich schließen, dass es die Seele also vorher schon gegeben haben muss. Demnach ist die Seele präexistent und Lernen ist Wiedererinnerung.

Die Seele muss aber auch postexistent sein, denn zwischen prä- und postexistent kann kein Unterschied bestehen, da beide durch denselben Gegensatz definiert werden, und sich aus und zu ihm hin entwickeln. Aus diesem Zirkel ergibt sich die Unsterblichkeit der Seele, da sie vor dem Leben, während des Lebens und nach dem Leben, also immer, präsent und existent ist.

Also ist die Seele unsterblich.


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