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Philosophie im Mantel unserer Zeit

Philosophy today?

Dieser Text soll keine Fragen beantworten, sondern dem Leser bzw. der Leserin lediglich weitere Fragen stellen. Es ist somit als das gedankliche Holzscheit zu verstehen, welches das Feuer der Wissbegierde nicht neu entfachen, sondern bei Laune halten möchte. In unserer modernen und fluktuierenden Gesellschaft ist der Mensch dazu genötigt sich fortwährend weiterzubilden, wenn er sich in Selbiger noch besser zu Recht finden will. In einigen Fällen zerschellt meine These an den psychischen Klagemauern der Realität, in Anderen scheint sie anmutig wie ein Adler über jene hinweg zu gleiten. Die Informationsflut, die uns täglich aufs Neue überschwemmt scheint nicht mehr den natürlichen Gezeiten Folge zu leisten. Deshalb wird es immer wichtiger aus dem trüben Schlick das zu selektieren, was nachhaltig von Bedeutung sein könnte - an dieser Stelle greift die Philosophie.

Die Philosophie stützt sich heute auf eine über 2500 Jahre alte Vergangenheit. Ihr gewaltiger Fundus erscheint grenzenlos und für den menschlichen Verstand kaum greifbar. Ein jeder Mensch, der auf unserem Planeten wandelt, hat eine gewisse Attitüde gegenüber dieser Materie - mag diese bewusst oder auch unbewusst sein. Versucht man die Philosophie zu definieren, so sollte man darauf Acht geben, dass man jene nie ausnahmslos objektiv, sondern immer von einem subjektiv-objektiven Hochsitz aus durch das Fernglas seiner persönlichen Erfahrung wahrnimmt und wertet; infolgedessen ist das eigene Gedankengut immer subjektiv, da es die Handschrift zu tragen vermag, die wir uns im Laufe unseres Lebens angeeignet haben - mag diese bewusst oder auch unbewusst sein. Damit schließe ich die Objektivität keineswegs aus, sie wird lediglich an Hand meines philosophischen Betrachtungswinkels subjektiv geschmälert. Zusätzlich sollte bedacht werden, dass jegliche Definition der Philosophie bereits Bestandteil derselben ist. Menschen benötigen Definitionen, um ihren Ängsten die aus trister Unwissenheit resultieren, goldene Brücken zu bauen. Es gibt phantasievolle Beschreibungen für das Unbeschreibliche. Eine metaphorische Brille durch die wir Philosophie sehen könnten, möchte ich dem Leser durch ein Zitat von Arthur Schopenhauer aufsetzen. Dieser schreibt 1811 gegen Ende seiner Göttinger Jahre nachstehendes in ein Arbeitsheft:

Die Philosophie ist eine hohe Alpenstraße, zu ihr führt nur ein steiler Pfad über spitze Steine und stechende Dornen: er ist einsam und wird immer öder, je höher man kommt, und wer ihn geht, darf kein Grausen kennen, sondern muß alles hinter sich lassen und sich getrost im kalten Schnee seinen Weg selbst bahnen. ... Dafür sieht er bald die Welt unter sich, ihre Sandwüsten und Moräste verschwinden, ihre Unebenheiten gleichen sich aus, ihre Mißtöne dringen nicht herauf, ihre Rundung offenbart sich. Er selbst steht immer in reiner kühler Alpenluft und sieht schon die Sonne, wenn unten noch schwarze Nacht liegt.“ (HN I S.14)

Dieses ist nur ein Paradigma für eine Definition der Philosophie, die ihre Wesentlichkeit entfaltet ohne spürbar Magie einzubüßen. Daher soll jenes lediglich eine Stütze für den Suchenden darstellen und keineswegs sein eigenes Weltbild neu strukturieren. Nichts von dem was ich schreibe, muss wahr oder falsch sein, allein der Leser entscheidet ob er sich zu mir auf den Hochsitz begibt oder nicht. Derartige Utopien können die Wiege der illusionierten Sorglosigkeiten schnitzen oder das Sprungtuch für die vorübergehenden Lebensmüden aufspannen. Aber wie sieht es aus wenn man die Philosophie mit der Realität konfrontiert? Es ist das prinzipielle Axiom der Philosophie, dass der Mensch – gemäß Kant – seinen eigenen Verstand als bewusstes Werkzeug verwenden sollte, um sich den Anforderungen des Alltags zu stellen und ihnen gerecht werden zu können. Die kontinuierlich schwankenden Berufsbilder, die damoklessche Wirtschaftslage und diverse andere Gewichte erfordern einen aufgeweckten und klaren Geist, der flexibel und gelassen bleiben muss, um dem profanen Wahnsinn täglich neu gewachsen zu sein. Darüber hinaus offeriert sich die Eventualität immaterielle Wege zu gehen, die früher nicht zollfrei waren. Wer dieses erkennt und zu seinem Vorteil nutzen kann, hat in meinen Augen den Kerngedanken der Philosophie verinnerlicht. Doch die Philosophie ist weit mehr als wir zu denken wagen und durchwebt unser alltägliches Miteinander stärker als es oftmals den Anschein hat. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie den grundlegenden Stamm des wissenschaftlichen Baumes bildet von dem unzählige akademische Äste in alle Himmelsrichtungen sprießen und noch sprießen werden. Wer sich zudem von der Begrifflichkeit der Philosophie lösen und jene zusätzlich als geistigen Spielplatz oder sogar als Schlachtfeld nutzen kann, um sich allein oder mit Gleichgesinnten auf kontrovers-kritischer Ebene auszutoben, schwimmt in den Grenzgebieten von Wissenschaft und Exaltation. Es stellen sich vielleicht jetzt die Fragen, wann genau dieser Zeitpunkt für jemanden individuell eintreten kann oder ob Wissenschaft und Passion wesenhaft zusammen gehören.
Die Antwort auf diese Frage ist so einfach wie banal: Sie, der Leser selbst bestimmen, wann und ob die Philosophie überhaupt zu ihrer Passion werden kann. Philosophie basiert auf frei-gedanklicher Autarkie, doch ohne die Liebe verdorrt selbst das schönste Pflänzchen auch wenn es noch so viel Wasser und Sonnenlicht bekommt. Sehen Sie mich als eine Art Reiseführer während dieses Ausfluges – ich bin stets wachsam und achte darauf, dass sie noch den Boden unter ihren Füßen spüren – Sie spüren ihn noch? Sind sie wirklich sicher? Vielleicht gaukelt ihr Verstand ihnen auch nur eine Art Boden vor, weil sie danach suchen? Oder ist es der Boden, der ihrem Verstand einredet, dass er existent ist? Bevor es anfängt abstrakt zu werden, säkularisiere ich mich...



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Kommentare

Lambizzel wrote on 2007-02-01 10:29:17

Du hast nun schon soviel Kmmentare abgegeben, wie wäre es, wenn Du selber mal etwas verfassen würdest ? Textproben einfach an user(1).

Gisela Schmeitzner wrote on 2007-01-28 20:49:15

Philosophie = Liebe zur Weisheit

Philosophie = Lehre vom Zusammenhang der Dinge

Die Frage ist. Wie hängt das zusammen, wenn es in meinem Leben nicht mehr so läuft?

Wo und wieso reihe ich mich ein - in die Klagemauer- unter dem Motto, ja ich kann ja nicht anders, weil .....?

Meine Selbstgier, was will ich erreichen, wem muß ich etwas beweisen, wer will ich sein? im außen- was oft sehr anstrengend ist, weil ich das oft nicht wirklich bin.

Eins habe ich ganz schnell erkannt, ich habe überhaupt kein Recht über andere zu urteilen, sie zu bewerten oder mich über sie zu stellen. Wenn ich mit dem Finger auf andere zeige, habe ich gesehen, daß drei zu mir gezeigt haben. Hoppla und genau das hat alles in meinem Leben statt gefunden. Immer nach dem Prinzip, jeder vor seiner eigenen Tür.

Danke übrigens für diese interessante Kommunikation.Ich bin begeistert und inspiriert dadurch.

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