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Religion heute

Gottesbeweise hin oder her. Wir brauchen einen Gott. Oder ?

Religion und Philosophie verbindet eine lange, gemeinsame Tradition, beides kann, und sollte nicht, völlig unabhängig voneinander betrachtet werden. Dies gilt wohl spätestens seit der Antike.

Dass das Mittelalter stark religiös geprägt war, bedarf wohl keiner weiteren Erklärung. Wie kommt hier die Philosophie ins Spiel ? Zum einen durch namenhafte philosophische Verteter wie Thomas von Aquin, Augustinus, Berkeley... und zum anderen durch die Weiterentwicklung der Logik.

Was Logik mit Religion zu tun hat ? Bezogen auf das Mittelalter eine ganze Menge, da man das Mittelalter wohl, ohne zu übertreiben, als Zeit der Gottesbeweise bezeichnen darf.

Was Logik mit Philosophie zu tun hat ? Tja, der Begründer eines der schönsten formalen Systeme, das auch heutzutage, wenn auch in mehreren Varianten, seine Anwendungen findet, geht zurück auf den griechischen Philosophen Aristoteles.

Soviel also zu einer der Schnittstellen zwischen Philosophie und Religion, der Logik. (Korrekterweise sollte man anmerken, dass es "die Logik" nicht gibt. Es gibt eine Menge formaler Systeme, die gegenseitig nicht miteinander zu vereinbaren sind, und anders funktionieren, Aristoteles "Logik - System" war die Syllogistik)

Es gibt drei Standard - Gottesbeweise in verschiedenen Varianten:

Den ontologischen Gottesbeweis
Den kosmologischen Gottesbeweis
Den teleologischen Gottesbeweis

Die ersten beiden genannten haben einen deistischen Gottesbegriff als Grundlage, letzterer einen theistischen.

Abgesehen von vielen logischen Unzulänglichkeiten, (auf welche ich hier, genausowenig wie auf die Erläuterung der einzelnen Beweise, nicht eingehen werde), verbindet diese Beweise ein Hauptproblem:

Sie sprechen alle nicht von Eigenschaften, die einem göttlichen Wesen zugesprochen werden, will sagen, der Anspruch, den christlichen Gott, mit den ihm zugedachten Eigenschaften zu beweisen, ist bisher nicht erfüllt.

Die Frage, wie ein göttliches Wesen zu charakterisieren ist, wird gar nicht berührt.
Auf diese zugeschriebenen, postulierten Eigenschaften stützt sich aber der Gottesglaube des Abendlandes, denn was nützt uns ein Gott, der kalt und rachsüchtig oder inkompetent ist?
Ein Gottesbeweis stützt also den Glauben an Gott inhaltlich überhaupt nicht.

Im Folgenden sollen deswegen die Attribute einer göttlichen Figur fokussiert werden, die psychologischen Notwendigkeiten, die den Glauben stützen, sowie strukturelle Probleme, die sich aus der Zuschreibung gewisser Attribute ergibt.

Zunächst ein paar lobende Worte an die (christliche) Religion: Der Gottesglaube scheint durchaus mehrere Vorteile mit sich zu bringen.
Der Mensch füllt die Lücke des Nichtwissens, aus der eine gewisse Skepsis entsteht, mit Vertrauen in eine
höhere Macht, eine Ordnung, eine geplante Struktur.

Das, was der Mensch noch nicht weiß, von dem er vielleicht noch nicht einmal weiß, ob man es wissen kann, stellt kein Problem mehr dar. Wir haben des Rätsels Lösung.
Das Vertrauen auf Gott füllt jene strukturelle Wissenslücke und löst vermeintlich entstandene Probleme in Wohlgefallen auf.

Dies geht in der Regel einher mit dem Postulat der Unfehlbarkeit Gottes, da das Kartenhaus sonst zusammenbräche:

Wenn diese Welt Gottes Ordnung ist, er aber fehlbar ist, wie kann ich dann auf eine Ordnung vertrauen bzw. worin liegt dann überhaupt noch das Wesen einer Gottheit, für die es sich zu beten lohnt?
Berechtigte Frage!

Aus der Kombination der einem personalen Gott zugeschriebenen Attribute Güte
und Allmacht ist der Skeptiker dazu geneigt, daraus gewisse Paradoxien abzuleiten, oder zumindest, dass diese beiden Attribute nicht gleichzeitig denselben Träger (Gott) haben können.

An sich ein alter Hut, nur noch einmal zur Auffrischung:
Die Welt ist schlecht.

Wenn Gott allmächtig ist, kann er die Welt verändern, kann er entweder direkt eingreifen oder hätte den Menschen so konzipieren können (denn daran neigt der Christ schließlich zu glauben), dass er keine Fehler begeht. Der Mensch macht aber andauernd Fehler, und das ist offenbar auch noch unsere Schuld !?!

Ist er nun ein Sadist, ein Zyniker, und wir sind nur Marionetten, die seiner Belustigung dienen ?

Gemäß dieser Überlegungen könnte man geneigt sein, dies anzunehmen. Dann wäre er aber nicht gütig, zumindest nicht nach unserem Verständnis. Und wenn er gütig ist, die Welt aber schlecht, und er trotzdem keineswegs eingreift, dann ist er eben nicht allmächtig.

Dieser Argumentation steht ein Hauptargument entgegen, welches quasi sowohl eine Schwachstelle, wie auch eine der Stärken des Gottesglaubens ausmacht:

Gottes Wege sind unergründlich!

Die (wissenschaftliche) Schwäche liegt darin, dass dieser Punkt unangreifbar ist, weil wir uns somit jeglichem rationalen Zugang berauben, und man schlichtweg nichts dagegen halten kann, noch nicht einmal prinzipiell.

Die Stärke liegt dann aber darin, dass wir Menschen intuitiv stets auf Gott vertrauen können, aufgrund unserer ideellen, ihm zugeschriebenen Eigenschaften.

Der Mensch ist doch nun aber der Vernunft fähig, und man darf meines Erachtens zurecht die Frage stellen, warum wir nicht zumindest den Versuch wagen sollten, uns selbiger zu bedienen.

Ist die Welt grausam, verstehen wir Gottes Wege nicht, ist sie es nicht, offenbart sich Gott in seiner Güte.

Touché, Wissenschaft adé.

Wie soll man sich aber sinnvoll mit der Existenzfrage eines personalen Gottes auseinandersetzen, wenn doch sowohl die vermeintliche Existenz als auch die zugeschriebenen Attribute notwendige Konstrukte des menschlichen Geistes sind,
der nicht so einfach in die Welt geworfensein will,
der eine axiomatische Begründung für moralisches Verhalten und Denken haben will,
der jegliche Wissens -oder Gefühlsleere hinreichend mit dem Gottesbegriff beantworten kann ?

Verblendet man sich nicht zweckmäßig durch den Glauben?

Ist die Vorstellung, völlig grund -und bestimmungslos in der Welt zu sein, so schmerzhaft, dass man diese emotionale Lücke nur durch das Postulat (Verzeihung: den Glauben an die Überlieferung) eines höheren Wesens schließen kann?

Aber das hieße doch wiederum, um nach Feuerbach zu sprechen, dass die Menschen Gott (aus Notwendigkeit) erschaffen haben, nicht umgekehrt. <b>Lecker: Das fliegende Spaghettimonster</b>

Liegt die Betonung auf der Rückkehr zum Glauben denn daran, dass wir, wie Nietzsche sagt, Gott getötet haben, unsere Moral also gar nicht mehr begründen können, sie völlig relativistisch erscheint, und wir deshalb zum Übermenschen werden müssen, um nicht wieder einen neuen Gott zu kreieren, dem wir wie Herdentiere folgen?

Inwiefern ist es denn sinnvoll, an einen personalen, gütigen, allmächtigen Gott zu glauben?

Vertrauen schöpfen aus dem Nichts um Kraft zu tanken für alles, was sein eigenes Leben betrifft?

Um sich gewiss sein zu können, das man sich nicht fürchten braucht, weil alles in geplanter Ordnung eins gütigen Schöpfers geschieht?
Um sich selber all das erklärbar machen zu können, was wir nicht verstehen?
Um keine Angst zu haben?
Um seinem Leben einen Sinn zu geben?
Um seine Moral begründen zu können?

All das sind funktionale Gründe, weshalb der Gottesglaube psychologisch betrachtet durchaus nützlich zu sein scheint, unnütz hingegen wäre es natürlich, wenn das Subjekt sich dem Umstand bewusst wäre, dass er aus funktionalen Gründen an einen Gott glaubt, denn dann fällt der Vorhang, der Zauber verpufft und wir merken, dass wir den Gottesbegriff eben aus jenen Gründen kreiert haben, um uns selbst die Bestätigung für unser Denken und Handeln zu geben, und (vielleicht), um in der Welt nicht an innerer und äußerer Leere zu ersticken.

Wenn sich aber nun der Gottesglaube als rein funktional erweist, da er auf einer psychologischen Notwendigkeit basiert, derer ich mir bewusst bin, heißt das dann nicht, dass ich mir durch den Glauben an Gott meiner Seele einen Gefallen tue, indem ich meinen Verstand ein Stück weit zurück schraube und mich stattdessen verzaubern lasse, um mich in die tröstenden Arme der selbst kreierten heilen Welt zu begeben?

Lieber aufgeklärt und geworfen als blind und glücklich?


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Kommentare

patrick wrote on 2007-12-18 14:34:56

...dich arbeiten zu sehen mein Freund :)

Theo Q. meint wir sollen im Januar im K-Schlachthof was zur Neurophilosophie erzählen, was denkst du?

[ich] wrote on 2007-10-20 01:43:52

Jedesmal wenn ich Diskussionen bezüglich Allmächtigkeit höre, frage ich mich das. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Eigenschaft "Allmacht" kleiner als die Eigenschaft "logisch zu sein" ist.

Ums mal wieder klassisch logisch zu sagen: "Entweder ist man allmächtig oder man gehorcht der Logik" (wobei es ein exklusives ODER ist!)

Der Moslem rettet sich ja seinen Gottglauben, indem er Allah nur allgnädig sein läßt....

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