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Sartre - An sich Sein, Für sich Sein

Was ist An sich Sein ? Was ist Für sich Sein ? Kurze theoretische Erläuterungen zu zentralen Begriffen seiner Philosophie

Der Begriff Wert ist für Sartre einer der zentralsten in seiner Philosophie. Der Wert steht gleichzeitig für einen Mangel, resultierend aus der Differenz zwischen An sich Sein und Für sich Sein, als auch deren theoretische Lösung durch Heimsuchung des Für Sich Seins. Das Für sich Sein beinhaltet nun aber bereits das An sich Sein, da das Für sich Sein den Rückbezug des Menschen auf sein „nacktes“ Sein darstellt, gewissermaßen die Synthese aus dem nackten Sein, wie auch dem Bewusstsein, welches eben darauf bezogen ist.

Insofern ist das Bewusstsein aber leer, da es sich nur auf das An sich Sein bezieht, welches selbst völlig inhaltslos ist, da es letztendlich nur das Leben an sich, die Existenz feststellt.

Diese kann man aber durch das Bewusstsein wiederum nur feststellen bzw. sich auf sie beziehen, wenn man selbige bereits voraussetzt. Unsere Existenz dient also als Basis der Feststellung unserer Existenz.

Da nun das Bewusstsein, der Rückbezug auf sein Leben leer ist, geht es Sartre nun darum, einen Weg aus der sich daraus ergebenen völligen Nichtigkeit zu suchen.

Es handelt sich insofern um eine Nichtigkeit, als dass ein grober Mangel vorliegt, der sich aus der Inhaltsleere des Bewusstseins ergibt. Der einzige Weg heraus aus diesem Dilemma kann nun also nicht der Rückbezug auf das An sich Sein sein, sondern das Für sich Sein gewissermaßen auf eine andere Weise zu ergründen.

Dies obliegt nun nicht einer planvollen Absicht, sondern aus dem Wert, der aus dem Mangel entsteht und ihn sozusagen reflexiv beschreibt. Der Mangel besteht genau in der inhaltsleeren Nichtigkeit des Bewusstseins, der Wert ist dieser Mangel, insofern er wertet, dass dieser Mangel vorhanden ist.

Es handelt sich sozusagen um eine Reflexion und eine Bewertung des Rückbezuges auf das an Sich sein.

Das Bewusstsein mag sich zwar nur auf das An sich Sein beziehen, aber der Wert als Mangel kann sich auf das Bewusstsein beziehen, muss er sogar, weil der Mangel nur durch die Differenz aus An sich Sein und Für sich Sein entsteht und diese gibt es wiederum nur, weil der Mensch ein Bewusstsein hat und für sich sein will.

Zur Verdeutlichung dieses Problems haben wir im Seminar ein Beispiel besprochen:

Ein Mann sieht im Schaufenster ein Brötchen und möchte es essen, denn er hat Hunger. Der Bezug des Bewusstseins liegt auf dem An sich Sein, das wissen wir mittlerweile, aber der Grund dessen liegt außerhalb. In dem Moment trifft den Menschen das Bewusstsein, das Brötchen nicht zu haben (Mangel) der Wert in dem Falle ist der Hunger als Auslöser des festgestellten Mangels.

Dieser Hunger ist natürlich auch ein Mangel bestehend aus der Differenz zwischen dem satt sein und dem Brötchen in seiner Funktion als erwünschtes Objekt.

Der Wert beschreibt den Mangel bzw. die Ermangelung des Brötchens eines leeren Magens, welcher zwar vom An sich Sein rühren mag, jedoch in diesem Fall in Form eines tatsächlichen Mangels nur aufgrund des Brötchens besteht.

Der Grund des Bewusstseins liegt also außerhalb des Bewusstseins.

Natürlich geht es hier um ein Bedürfnis, das sich schon rein aus der biologischen Konzeption des Menschen ergibt, jedoch der Mangel und die Differenz, die durch den Wert des Hunger Habens beschrieben werden, werden dem Menschen erst durch die Ermangelung des Brötchens bewusst.

Dies soll repräsentativ dafür sein, dass der Mensch Sklave seiner Triebe ist, die sich aus der Differenz dessen ergeben, was er ist, und dem, was er zu sein glaubt, denn letzteres ist die Bewertung des An sich Seins in Bezug auf das An sich Sein.

Insofern der Mensch handlungsfrei ist, überbrückt er zwar die Differenz, aber diese Freiheit nötigt ihn eben genau, diese Differenz durch eine Ermangelung immer wieder neu aufleben zu lassen.

Insofern stellt diese Freiheit nicht mehr dar, als das sein zu können, was man will, sofern man das will, was der Mangel einem vorgibt, zu wollen.

Freiheit bedeutet also nicht die freie Wahl „von allem“ als quasi metaphysisches Postulat, sondern eher die Genötigtheit, jeden Mangel, der aus einer Differenz entsteht, überbrücken zu wollen.

Dass wiederum heißt aber, dass wir nicht „wirklich frei“ sein können, solange es eine Ermangelung geben kann.

Der Teufelskreis schließt sich aber an dem Punkte, an dem festgestellt werden muss, dass diese Freiheit erst durch die (wertende) Feststellung der Ermangelung entsteht.

Den Mangel dennoch überbrücken ohne tot zu sein, ist an dieser Stelle nur eine theoretische Lösung, in Rückbezug auf den Mann und das Brötchen würde die Überbrückung des Mangels folgende:

Der Mann ist selber das gegessene Brötchen und hat deshalb keinen Hunger.

So würde der Mensch den Mangel und die Differenz (was an dieser Stelle dasselbe aussagt) in sich vereinen und diese Differenz auslösen.

Die Freiheit würde aber dennoch auf der Strecke bleiben, weil er dazu gezwungen wäre, sich nicht entscheiden zu müssen, ob er das Brötchen essen möchte oder nicht.

Das Problem des Menschen besteht also darin, dass er nur aus Ermangelung zur Freiheit gezwungen ist und ohne Ermangelung, durch Aufhebung der Differenz eben diese Freiheit verliert, dennoch ist der Mensch frei, dahingehend, dass er sich entscheiden kann, nicht zu sein, und er ist nicht frei, weil er sich stetig entscheiden muss ob er frei sein will oder nicht.

Genau davon spricht Sartre, wenn er sagt, dass der Mensch zur Freiheit verurteilt ist.

Die Freiheit als inhaltsleere Anweisung ist die Zerrissenheit des Menschen, seine Geworfenheit.

Ohne Mangel gibt es keine Seinsfülle da das Für sich Sein sonst nur das An sich Sein als Bezug hätte.

Es gibt aber stetig die Ermangelung, also auch die Seinsfülle, das An und für sich Sein würde bedeuten, sich der Differenz bewusst zu werden, sie zu verinnerlichen, aber sie nicht aufzulösen.


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