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Lady Bombay

Himmel und Hölle in einer Nacht zwischen Bombay und einem alten, schlechten Schwarzweißfilm.

Das ist Lady Bombay ... blaue Flasche ... links oben. Die Geigen zerschmettern den Rauch ihrer Zigarette als sie den Kopf dreht. Oktober 24, 1998, Abend. Es liegt alles mögliche in der Luft. Hin und wieder entgleist ihr ein Lächeln zwischen zwei Schlucken Bombay und ihr wird warm. Sie trägt ein schönes dunkles Kleid. Fast bodenlang verhindert es, dass sie die Beine übereinander schlägt. Sie ist nicht gerne allein, wenn es draußen dunkel wird. Besondere Betäubung erfordert die Einsamkeit zur Winterszeit. Gestern fielen die ersten Schneeflocken und seit dem hat sie das Gefühl zu erfrieren. Heute tröstet sie sich mit einem Glas Gin und auf ihrer Lippen leuchtet roter Lippenstift. Sie hält die Zigarette mit der Linken - obwohl sie Rechtshänderin ist - und schlaff im Handgelenk. Hin und wieder macht ein Herr Anstallten sich zu ihr zu setzen, aber sie winkt ab und ihm bleibt nichts übrig als ihre kalkweiße Haut im Vorübergehen zu betrachten. Es wird gelacht und getanzt, aber sie lacht oder tanzt nicht. Hin und wieder hat der Barjunge, der ihr behände Hochprozentiges nachschenkt das Gefühl ihre Augen wären glasig. Aber er weiß nicht ob das vom Alkohol kommt oder sie vor Tränen schwimmen. Rote Schuhe trägt sie, mit schwarzem Absatz. Einer ignoriert ihre Ablehnung, setzt sich ihr gegenüber und stopft seine Pfeife. "Sie sehen traurig aus." Darauf hat sie gewartet. "Das soll sie nicht kümmern", entgeget sie so leise, dass einer sich mit dem Oberkörper leicht zu ihr neigen muss um sie zu verstehen. "Sie spielen Walzer." Sie bedenkt ihn mit einem müden Blick, dem selben, den sie auch einer ausgedrückten Zigarette im Ascher zugestehen würde. Und es wird ihr wieder kalt.

<b>Lady Bombays rote Schuhe ... ich muss dich zeichnen!</b> "Ich hatte dich doch schon", sagt sie und legt sich bäuchlings aufs Bett. "Warum solltest du mich jetzt noch interessieren? Dafür besteht doch kein Grund." Er steht am Fenster und raucht sich die Lungen wund. Eine nach der anderen. Sie wischt den verschmierten Lippenstift am Bettzeug ab. "Ich liebe dich nicht und ich habe es nie behauptet." Er bebt.
Selbst als er ihr das Kissen ins Gesicht drückt glaubt er ihr Kichern immernoch hören zu können und Flüche.

Als Kind haben wir uns im strahlenden Sonnenschein steile Berghänge hinunter gerollt. Die Grasflecken waren uns egal, genau wie die Heupferchen, die wir zerquetschten. Ich erinnere mich an diesen einen Abend, an dem die Sonne schon tief stand und ich sie das erste Mal sah. Sie lief den Kiesweg entlang. Immer in Richtung Wald weg. Den schönen schwarzen Pelz eng um die Schultern gezogen. Die roten Schuhe voller Schlamm. Und dennoch war sie schön. Als ich an mir herab sah, bemerkte ich die Glasflecken das erste Mal und ich versuchte sie mit Spucke weg zu rubbeln. Die Sonne ging unter als die Dame im Wald verschwand. Blutrot.



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