Impressionismus

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Surrogat

Über das Schreiben und die Schwierigkeit des Perfektionismus. Über Freiheit und darüber, warum ich meiner eigenen Freiheit im Wege stehe.

Die Sucht nach Ersatz. Ersatz für so vieles, aber vor allem für die Freiheit.
Die Freiheit. Rauchen ist mein Ersatz für Freiheit, kahle Bäume und S-Bahn fahren auch. Nicht fern zu sehen, nicht in die Disco zu gehen, nicht über Autos zu reden, mein Handy immer lautlos zu haben - auch das ist alles ein Ersatz.

Wenn man gefangen ist, dann sucht man sich einen Ersatz für die Freiheit. Ich bin gefangen in meinem Kopf, und trage mein Gefängnis hilflos auf den Schultern. Deswegen brauche ich auch einen tragbaren Ersatz - zum Beispiel ein Zitat von Sartre auf den Lippen, und eine Lucky Strike dazwischen.

Ich will schreiben, über so vieles und so viel, doch wenn es so viel zu schreiben gibt, wann soll ich damit anfangen, wenn ich zwischendurch mal leben will? Wenn es so viel zu berichten gibt, wann soll ich ein Leben führen über das man berichten kann? Wenn es so viele Geschichten gibt, wann dann die eigene gestalten?

Ich will schreiben, will anfangen zu schreiben, meine Welt konstruieren, aber wie. Wie nur? Es ist die grundlegend falsche Grundeinstellung der Perfektion, die mich vom Schreiben abhält, mich dazu bringt kleine Ergüsse der Schrift als Surrogat für etwas grösseres zu nutzen. Die Grundeinstellung, das ein Buch, oder eine Geschichte, einen Anfang und ein Ende braucht, und das zumindest dazwischen alles heile sein sollte- aber wie soll das gehen?

Jedes Wort das ich aufschreibe spiegelt mich wieder, der Autor ist seine Romanfigur - aber wenn es das tut, wie sollte ich dann zwischen Anfang und Ende erklären, warum? Ich kann mich nicht mal im Ansatz selbst erklären - das Buch wäre ein Mythos, der später vielleicht einigen genervten Schülern zur Interpretation dient - ich will aber nicht interpretiert werden, will nicht die Projektion einer anderen Meinung in meinem Spiegelbild entdecken. "Was tun?", fragte der Primat - "Schweigen" antwortete der Buddhist.

Der Drang wird stärker - die Psychose reift, der Zwang wird mächtiger - doch der Primat, er kneift. Viel zu selten Reime.

Ich will schreiben, über Moral und über Ästhetik, über Psychosen und über Genetik, über Physik und Dysgenik und Capgras-Syndrome und Cortex und Bäume und Schreiben und Primaten, Liebe, Hormonspiegel, Spiegel, Kreise, Dopamin, die 10 Gebote, Boogie-Men, Grundangst, Neuro-Welten, die Schädelöffner der Ägypter, Sprache, Schrift, Geschichte und Kybernetik. Aber ich schaffe es ja noch nicht mal die Liste dessen, über das ich schreiben will, zu vervollständigen - "Ich sage, fühle dich nie vollständig", sagte Tyler Durden, "arme dumme Romanfigur" erwiderte der Primat und dichtete noch 2 Tylers dazu.


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Kommentare

patrick wrote on 2005-12-04 17:54:51

Ich sehe mich leider außer Stande, eine vernünftige Antwort auf diesen Kommentar zu schreiben.

"wenn du dich mal ordentlich und gehöriger kritik unterwirfst"

Vernünftige Kritik ist für mich lesbare Kritik.

"ach, solange ich auf meinem bettchen lieg, und nichts tue, habe ich ja alle möglichkeiten offen"

Egal, was ich tue, niemals habe ich alle Möglichkeiten offen. Allerdings meine ich meine auszuschöpfen, mit dem was ich tue. Jedenfalls teilweise. Andere Teile werden folgen, warte auf die Fortsetzung.

Ich glaube das Problem liegt in einem Fehler, den diese Seite mal aufwies: der eigentlich Kommentar wurde durch die Antwort gelöscht. Wahrscheinlich ist es deinem Kommentar durch deine Antwort ebenso ergangen. Vielleicht möchtest du es ja nochmal versuchen?

Gruß,

Patrick

david wrote on 2005-11-23 23:29:58

hm, dümmlich wurde ich eingeschüchtert, als ich zu schnell auf den "submit" knopf mich versehentlich entstellte, schade, kann zwar kein offenkundiges scheitern sehen, aber kann die gemeinsamkeit entdecken, die reichtum der möglichkeiten ungenutzt zu lassen, ach, solange ich auf meinem bettchen lieg, und nichts tue, habe ich ja alle möglichkeiten offen, nur leider ist diese philosophie gar und gar nicht so erstrebenswert, aber der viel wieder zitierte eigensinn wirst du auch finden, wenn du dich mal ordentlich und gehöriger kritik unterwirfst.

grüsse aus der schweiz

david

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