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Das Wunder Mensch

Und die Evolution ist doch Poesie.

Er steht auf und reibt sich den Schlaf aus dem Kopf. Verwundert betrachtet er seine Hände und versteht nicht das sie er sind, bis er, den Schlaf restlos vertrieben, erkennt. Die Ontologie der Hände. Die fragliche Existenz der Umwelt und die fast Sichere des Selbst.

Der Primat steht auf und stellt seinen Kopf auf den Kopf. Nur er kann Sprachspiele spielen, die anderen Tiere dürfen nicht mitmachen. Das abstrakte Reflektieren - es ist sein Mangel, seiner ganz allein. Daher die Einsamkeit? An sowas ist vor dem Gebräu aus der Kulturpflanze am Morgen noch nicht zu denken. Mit zerzaustem Haar auf dem Kopf und zerrupften Gefühlen darin schlendert der Nachfahre des Anorganischen durch die künstliche Behausung zur künstlichen Kaffeemaschine.

Den Pelz hat er abgelegt, der Primat, nur den auf der Zunge muss er noch herunterspülen. Er lächelt bei dem Gedanken daran, das die anderen Tiere den Gedanken nicht denken. Ihm kommt die Rolle des Protagonisten in diesem Drama der Schöpfung zu - denn er ist der einzige der weiß das ein Drama gespielt wird; die anderen Schauspieler verspäten sich klassisch.

In der Gewissheit, Flora und Fauna erschaffen zu haben lehnt der Primat sich zurück - hätte er auch noch die Realität geschaffen, die diese Worte bezeichnen, wäre er das Wort "Gott". Heimlich freut er sich und raucht qualmendes Kulturgut, während digitale Intelligenz aus den bionischen Membranen des Radios schallt. Die Zeit ist reif, reif für ihn die Gunst der Stunde zur Unendlichkeit eines Augenblickes schwellen zu lassen. Ja, er hat sich verewigt; die schmelzenden Pole singen ihr Lied der schöpferischen Promotion.

Er, der winzige Partikel westlich des Weltraums und östlich des Universums, er hat es geschafft seine Wohnung oben im Penthouse der Nahrungskette zum seinem Büro zu machen, dem Arbeitsplatz des Freiberuflers. Er, das Mängelwesen; das war einmal, der Mangel des nicht angeborenen Sinnes, die dauernde Suche nach sich selbst, all das findet in diesem erhöhten Aussichtspunkt ihre Krönung: Der Primat, er übertrifft sich; erschafft und definiert sich neu am laufenden Fließband. Die Industrialisierung des Gehirns hat stattgefunden.

Noch rauchend lässt man sich in den Sessel aus Wolken fallen, der einmal dem alten Mann mit dem grauen Bart gehört hat und betrachtet seine Arbeit. Das analoge Wesen hat das Digitale erschaffen und lernt von seinem Kind.

Mit der Zahnbürste vor dem Spiegel stehend lauscht der Primat seinem Ebenbild. Die evolutive Genese hat sich im Individuum fortgesetzt: Sein Kind das aus dem Spiegel zu ihm flüstert, dieses Kind ist sein Nachfahre - und nicht nur körperlich; er ist das für ihn was er für die Dinosaurier war. Das ist ein stolzer Vater.

In der Gewissheit, das dies erst die allmorgendliche Toilette der Evolution war widmet man sich nun den Aufgaben die ein Tag ohne Sonnenuntergang bereithält - und das sind eine Menge.


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Kommentare

patrick wrote on 2006-04-20 09:54:24

Mit der Frage "Was ist der Mensch" beschäftigt sich in der Philosophie die Anthropologie. Allerdings ist das ein sehr weites Feld, es gibt viele Ansätze, wie man den Menschen definiert. Die meisten sind mit der Religion schwer in Einklang zu bringen.

Vielleicht präzisierst du deine Frage mal etwas, gern auch per eMail über das Kontaktformular.

Anonymous wrote on 2006-03-22 10:18:01

Hallo, ich bräuchte etwas material zu der frage Was ist der Mensch (im philosophischen sinne) für ein Referat im fach Religion. Eventuell können sie mir dabei helfen,denn ich wüsste nicht auf was ich mich spezialisieren sollte,da die Philosophie sehr vielfältig ist.

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