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Die Aufklärung

Ein Gespräch zwischen einem Indianer und einem Geist.

"Guten Morgen!" sagte der Indianer zu dem Geist.
"Guten Morgen!" antwortete dieser.
"Woher kommst du?" fragte der Indianer den Geist.
"Aus deinem Kopf!" antwortete dieser.
"Aus meinem Kopf?" fragte der Indianer, "wie bist du denn da rein gekommen?"
"Bin ich nicht, ich bin nur herausgekommen. Du hast mich gerade geboren."
Das überraschte den Indianer, also fragte er den Geist: "Warum bist du denn hier?"

Der Geist wusste keine Antwort, aber er pflichtete dem Indianer bei, das das eine gute Frage sei. Um den Indianer nicht zu enttäuschen, beschloss er ihm eine andere Frage zu beantworten. Der Indianer fragte den Geist: "Warum kann nur ich dich sehen?"

Der Geist wusste eine Antwort:
"Dimethyltryptamin, mein Freund. Kurz DMT. Ich verrate dir ein Geheimnis: Einst, als der erste Mensch geboren wurde, war ihm die Welt zu bunt und abstrakt, sie war so erfüllt von Farbe und Geschmack, das der Mensch drohte, wahnsinnig zu werden. Also erblindete sein geistiges Auge. Er verlor fast alles DMT, das in seinem Hirn war, deswegen wurde die Welt weniger bunt und roch einfacher. So konnte der Mensch bestehen, ohne wahnsinnig zu werden.
Du, mein Freund und Vater, kannst mich nur sehen und reden hören, weil du auch ein Freund des Ayahuasca bist. Die Leute sagen, das du Halluzinationen hast, sie sagen du seist wahnsinnig, vielleicht bist du das, und doch bist du der einzige von ihnen, der die Welt so sehen kann, wie sie wirklich ist. Die Anderen sind erblindet."

"Das ist ja interessant", sagte der Indianer "dann werd ich mal..." schloss er, und fuhr fort im auf einem Bein im Dreieck zu hüpfen.


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Kommentare

patrick wrote on 2007-01-29 20:25:29

Es freut mich sehr, dass du herzhaft lachen musstest. Die Paraphrase "Schöpfer der eigenen Welt" klingt sehr nach Gaarder, den lese ich oft zur Entspannung.

Der Text ist dennoch nicht als Aufforderung zu verstehen, die Blindheit der Masse (die ich zweifellos unterschreibe) zu ändern, oder die Wesentlicheren Aspekte des Lebens mehr schätzen zu lernen: Dieser Text ist ein Beispiel für eine natürlich Grenze die Erkenntnis, welche wir Menschen (vielleicht nicht so wie hier dargestellt) sicherlich besitzen. Ein Beispiel für das, was ich meine, sind die zahlreichen neurologischen Biases.

patrick wrote on 2007-01-13 15:08:45

Ja, stimmt. Hab den Text gerade selbst zum ersten Mal seit damals gelesen und musste schmunzeln. Freut mich, unterhaltend zu sein.

Gisela Schmeitzner wrote on 2007-01-28 17:11:12

Ich habe herzhaft gelacht und konnte mich sehr bildhaft unter den erblindeten Menschen sehen, als ich noch in der Masse mitlief. Seit ich die schönen und wesentlichen Dinge sehe und fühle, bin ich dankbar zu wissen, daß die Geburt meiner göttlichen Gedanken, etwas zur Reinigung der Welt beitragen. Es ist einfach faszinierend, daß ich der Schöpfer meiner eigen Welt bin.

Anonymous wrote on 2007-01-12 16:02:10

herrliche unterhaltung, während ich nunmehr seit über einer stunde auff meine magazine in der ub warte :P

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