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Ein Wintermärchen

Altes und neues Liedgut treffen aufeinander frei nach Zupfgeigenhansel (Franz Josef Degenhardt)

Mein Michel

Du hast Batallione, Schwadrone, Batterien, Maschinengewehr,
Du hast auch die größten Kanonen, mein Michel was willst Du noch mehr?

Du hast ungezählt Paragraphen, das schützt vor des andern Begehr,
beseeligt kannst Du da schlafen, mein Michel was willst Du noch mehr?

Doch kennst Du nicht mal Deinen Nachbarn, Deine Brüder verachtest Du sehr,
was kümmern Dich schon die andern, mein Michel was willst Du noch mehr?

Die Heimat hast damals gepriesen, doch heute willst Du sie nicht mehr,
ins andere Extrem bist getrieben, mein Michel willst Du das noch mehr?

Kultur und Sprache verkümmert. Was soll´s, Du brauchst sie nicht mehr.
Synthetik und Fremdes mehr schimmern, mein Michel was willst Du noch mehr?

Doch hast Du viel Spaß und Vergnügen, Dein Hirn erstickt täglich mehr,
merkst nicht mal wie sie dich betrügen, mein Michel willst Du denn noch mehr?

Du willst fast alles besitzen, nur zu schätzen weißt Du nichts mehr,
bleibst unzufrieden drauf sitzen, mein Michel brauchst Du denn noch mehr?

Du trägst des Reichtumes Orden, bist klug wie keiner sonst währ,
nur seelisch bist Du arm geworden, mein Michel willst Du das noch mehr?

Den Wohlstand hast Du hoch gepriesen, Dein Wanst wird Dir niemals leer,
hast andre zum Hungern verwiesen, mein Michel was willst Du noch mehr?

Du wirst täglich Zeuge von Unrecht, von Menschheitsverbrechen, so schwer,
von weitem wirkt alles so unecht, mein Michel was willst Du noch mehr?

Dem Wahnsinn gibst Du Deinen Segen, dem Mord, dem Ausbeutungsheer
und bitter schmeckt morgen der Regen, mein Michel willst Du denn noch mehr?

Du flickst der Welt ihre Wunden und kippst hinein haufenweis´ Teer,
die Welt, die wird schon gesunden, mein Michel was willst du noch mehr?

Du hast doch für alles Verständnis, Du selbst nur verstehst Dich nicht mehr,
verdrängst Dein Lügengeständnis, mein Michel, das fällt Dir nicht schwer!

Du hast keinen Gott mehr von Nöten, Du liebst Dich selbst viel zu sehr,
in Not willst dann Du wieder beten, mein Michel selbst wenn´s Dir fällt schwer!

Du willst dieses Lied gar nicht hören, die Wahrheit liegt Dir nicht sehr,
lässt lieber vom Glanz Dich betören, mein Michel was willst Du noch mehr?

Deutschland, denke ich an Deutschland werde ich um meinen "rechten" Schlaf gebracht.


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