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Faszination der Musik

Was macht Musik aus ? Was bedeutet Musik ? Wie wirkt Musik ?

<b></b>Ich weiß nicht genau, wann die Menschen angefangen haben, zu musizieren, ich weiß nur, dass es sehr lange her ist. Wichtiger als die Frage, wann das gewesen ist, ist die, warum sie sich so lange und bis heute in ihrer enormen Vielfältigkeit gehalten hat. Was ist so faszinierend an Musik? Warum mögen wir so unterschiedliche Musik und was sind die Dinge, die wir an Musik mögen, wenn wir es tun? Inwiefern geht die musikalische Entwicklung einer Gesellschaft im Sinne der aktiven und passiven Teilhabe mit der kulturellen Entwicklung selbiger einher? Also zunächst ist Musik meiner Meinung nach sehr eng mit der kulturellen Entwicklung verbunden, sie prägen sich gegenseitig. Musik war schon immer so, dass sie ins Bild passte, ins Weltgeschehen, in den Zeitgeist, nur deswegen hat sie sich und konnte sich immer wieder bewähren. Sei es die Marschmusik für Kriege, die musikalische Unterhaltung für Könige oder eine Gitarre am Feuer, die Nationalhymne im Zeichen des Patriotismus oder der Blues der armen farbigen Bevölkerung. Musik ist immer in gewisser Weise funktional, und doch hat sie sich stets etwas Reines bewahrt, etwas Schönes. Diese Schönheit ist für mich in ihrem Mysterium begründet. Auf unerklärliche Weise kann sie verbinden, ermutigen, glücklich stimmen, nachdenklich machen, genießen lassen, sie ist einer der größten Indikatoren für die tiefsten Gefühle des Menschen. Musik ist eine universelle Sprache, hat ein kluger Mann einmal gesagt. Man kann mit der Musik wortlos Gefühle und Nachrichten ausdrücken. Musik hat ihr Eigenleben, sendet ihre eigenen Nachrichten und bleibt doch bis heute ein Mysterium. Musik sendet Nachrichten, die jeder versteht, wenn auch viele Leute eben diese auch verschieden verstehen. So kann sie Menschen verbinden und trotzdem unergründlich bleiben. Insofern findet eine dieser klassischen Smalltalk „ich weiß nicht was ich sonst sagen soll“ Fragen auch eine gewisse Berechtigung. Ich würde nicht so weit gehen, zu sagen, dass ich alle Leute mag, die „meine“ Musik hören, oder niemanden, der „meine“ Musik nicht hört, aber ich fühle mich Menschen, die gewisse Musik aus bestimmten Gründen gerne hören, auch verbunden, automatisch. Warum ist das so? Nun, Musik ist für mich mehr als nur in der Disco tanzen oder mal „irgendwas im Radio hören“, mehr als Hintergrundblabla oder dergleichen. Um es mal prinzipiell zusammenzufassen – Ich liebe Musik. Seit ich 9 bin, interessiere ich mich aktiv für Musik und höre sie bewusst. Ohne Musik würde ich wahrscheinlich irgendwann komplett durchdrehen, wahnsinnig werden. Ich brauche Musik zum Leben. Ohne Musik könnte meine Seele nicht atmen.

Wenn ich Musik höre, dann höre ich nicht nur die Klänge und Texte, sondern ich höre auch die Stimmung, aus der die Lieder entstanden sind. Musik hat etwas sehr Tiefgründiges und Ehrliches und das imponiert mir. Vor allem aber gibt es zu jeder Situation die passende Musik. Man (ich) kann einfach immer Musik hören. Sei man nun gereizt, verliebt, betrunken, in guter Stimmung, depressiv, nachdenklich, müde, angespannt, ausgelaugt oder komplett verwirrt – es gibt immer etwas Passendes. Daher habe ich es auch aufgegeben, eine Lieblingsband zu suchen, weil ich in gewisser Weise die Musik verraten würde, die ich in ganz anderen Kontexten schätze. Dennoch hasse ich diese (und da gesteh ich mir selber eine gewisse Engstirnigkeit ein) „Ich höre alles“ Manier, die für mich nur stellvertretend dafür zu sein scheint, dass es einfach vollkommen egal ist, welche Musik grade läuft. Statt zu sagen, dass man alles hört, kann man insofern auch direkt sagen, man interessiere sich nicht für Musik, was natürlich auch vollkommen okay ist, obgleich ich dies in keinster Weise nachvollziehen kann. Wo wir grad schon bei Vorurteilen, Dogmen und dergleichen sind –Charts sind der Teufel. Man sollte „Top of the Pops“, dem Judas der guten Musik jegliche Existenzberechtigung entziehen. Danach erschiesst man folgende Personen: Jeanette Biedermann, DJ Ötzi, Lumidee, Dieter Bohlen und alle Leute die jemals irgendetwas bei Deutschland sucht den Superstar oder anderen pseudo - musikalischen Veranstaltungen erreicht haben. Meine persönliche musikalische Hassliste geht natürlich noch weiter, dies war nur ein kleiner Auszug. Was mich an Musik stört, ist, das, was die Hip Hopper als unreal oder wack bezeichnen würden – Ich nenne es Herzlosigkeit, ich muss Musik empfinden können, ich muss merken, dass sich der Interpret mehr dabei gedacht hat als „Scheiss drauf, wies klingt, das machen wir mit Titten im Video wieder wett“. Damit ist natürlich nicht gesagt, dass man nicht Musik gerade deswegen mögen kann, weil sie eben simpel gehalten ist und nur minimalen Anspruch hat, doch das ist eben nicht meine Meinung. Da wo Musik nur der Profitgier dient, da wo die Interpreten nur noch in geringem Maße für ihre eigenen Lieder verantwortlich sind, da wo sich Musik danach ausrichtet, was sich wohl zurzeit am besten verkauft, auch da spiegelt die Musik leider heutzutage den Zeitgeist wieder – insofern nennt mich konservativ wenn ich sage, dass dadurch die Musik ihre Seele verliert und zur Farce wird.


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Kommentare

nico wrote on 2006-05-07 16:39:10

Ok, alles klar, und sorry, falls ich das Wort "Hass" zu leichtsinnig benutzt habe, meinte es glaub ich wirklich nicht so.

Lambizzel wrote on 2006-05-07 11:18:10

Ich möchte noch nachtragen, dass ich nicht gesagt habe, dass ich Alleshörer hasse, sondern nur diese Einstellung. Es wäre durchaus übertrieben, jemanden zu hassen, weil er Musik auf eine bestimmte Weise wahrnimmt (oder es eben gerade nicht tut). Menschen, die sich nicht für Musik interessieren, sinhd nicht aus diesem Grunde schlechter odr dergleichen, jeder nach seine Facon, ich sprach lediglich von meiner persönlichen Einstellung. Also, kein Hass in dem Sinne, alles easy...

Lambizzel wrote on 2006-05-07 11:07:47

Du kannst deinen Tag beruhigt verbringen, ohne meinen Hass auf Dich zu ziehen. Wie ich bereits im Text versucht habe zu erläutern, geht es bei diesem Alles - Hören um ein unbewusstes Musik in sich aufnehmen, ohne sie als solches zu schätzen. Wer Musik nur als Gedudel oder als Hintergrundblabla wahrnimmt, der ist meiner Definition entsprechend ein Alleshörer, ich hoffe der mir unterstellte Widerspruch ist somit aufgehoben. Danke für Deine Kritik im übrigen, freut mich ja, dass überhaupt Leute den Text lesen.

nico wrote on 2006-05-06 23:43:10

"Daher habe ich es auch aufgegeben, eine Lieblingsband zu suchen, weil ich in gewisser Weise die Musik verraten würde, die ich in ganz anderen Kontexten schätze. Dennoch hasse ich diese (und da gesteh ich mir selber eine gewisse Engstirnigkeit ein) „Ich höre alles“ Manier, die für mich nur stellvertretend dafür zu sein scheint, dass es einfach vollkommen egal ist, welche Musik grade läuft."

Das hört sich für mich auf den ersten Blick ziemlich widersprüchlich an, könntest du (mir) das daher vielleicht noch einmal erklären? Aus dem ersten Satz geht für mich hervor, dass du keine Lieblingsband hast und daher praktisch auch ein "Alles-Hörer" bist - aber gleichzeitig hasst du "Alles-Hörer"? Ich würde mich selbst auch als ein "Alles-Hörer" bezeichnen, wobei es doch Ausnahmen wie Techno oder "richtig harte" Lieder/Bands gibt, denen ich einfach nichts für mich wertvolles entnehmen kann. Ich stimme deinem Text sonst, und besonders den Sätzen beginnend vor dem obigen Zitat, fast ausnahmslos zu und ein Musikgeschmack, der sich in irgendwelche Kategorien einteilen lässt (Rock, Punk, Hip-Hop, etc.), habe ich nicht, Tendenzen/Vorlieben hingegen schon. Meinen aktuellen Gefühlen entsprechend, oder der Gefühlserzeugung nutzend, suche ich mir meine Lieder, die ich hören will, kreuz und quer, aus allen Musikrichtungen und -Stilen aus. Aber weder höre ich Lieder "einfach so" (meistens), noch lasse ich sie einfach so an mir vorbeirauschen ('meistens' weil mich die Lieder vielleicht so stark zum denken anregen, dass ich die Musik in diesem Moment nicht mehr aktiv wahrnehmen kann), sondern bin auch ein aktiver und bewusster Musik Hörer. Nun, bin ich nach deinen Ansichten nach einer von diesen ekeligen "Alles-Hörern", denen die wahre Musik egal ist, oder kann ich den Tag doch beruhigt verbringen, ohne Angst vor deinem Hass haben zu müssen?

Nico

Lambizzel wrote on 2006-05-05 13:44:35

Also an sich passt das wohl am besten zu kultur/Medien. Warum hab ich es dann in der Rubrik Prosa hochgeladen ? Hm, 00:30...

Ich finde ein neuer menuepunkt lohnt sich noch nicht, es sei denn, da wird ne anständige Kolumne draus, an der mehrere Leute mitarbeiten. Dann würde sich eine Rubrik "Kolumnen" lohnen, die dann als Unterpunkt Musik beinhalten könnte.

patrick wrote on 2006-05-05 12:25:09

Interessanter Text! Ich hätte anstelle der Namensliste im zweiten Teil eher subtilere Hinweise verwendet, aber die teils recht obszönen Sätze finde ich eher emotional belastet und deswegen passend.

Ich habe mir gerade überlegt, auch etwas zu dem Thema zu schreiben. Vielleicht sollte ich etwas programmieren, was Texte zu Serien zusammenfasst. Oder einen neuen Menupunkt? Trennung von "Kultur/Medien"? Unsicherheit.

Danke für den Beitrag.

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