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Nietzsche sprach: "Gott ist tot!" - Gott sprach: "Nietzsche ist tot!" - Das Gehirn sprach: "Und doch seid ihr nur meine Kinder!"

Meine wirren Gedanken...

Ich reiße die verquollenen Augen auf und finde mich verschwitzt in meinem Bett wieder. Ein Trugschluss meiner intuitiven Erwartungshaltung als ich statt einem Kissen nur ein raues Paddel fühle. Traum, Wirklichkeit oder Realität, in welcher Illusion ich auch gefangen war, sie sollte realer, wirklicher und traumatischer werden als jegliches Gedankengulasch in meinem bisherigen Leben.

Die Luft ist in einen Eimer öligen Fischgeruches getaucht und der Boden unter mir scheint aus seinen Träumen gerissen. Plötzlich formt mein Verstand aus dem Paddel, dem spezifischen Geruch und dem sanften Schaukeln ein bizarres Bild. Ich merke, dass ich mich in einer überdimensionalen Nussschale befinde, welche zu schwimmen scheint. Es ist zu düster, um ein detaillierteres Bild der kalten Umgebung zu zeichnen. Aus dem Nichts werde ich geblendet von einem gleißenden Licht. Eine vertrauliche Stimme flüstert zu mir: „Hallo, Suchender! Hab’ keine Angst, denn es würde an deiner Lage rein gar nichts ändern. Dieses ist weder ein Traum noch eine Illusion, du befindest dich in der realsten Wirklichkeit, die sich je eines menschlichen Verstandes bemächtigen konnte. Der Fluss auf dem du dich befindest ist das Leben, die Schale in der du schwimmst deine Selbstschutz-Fassade, und das dich umgebende Wasser versinnbildlicht die Gesellschaft, die dich täglich umspült. Der Mensch irrt sofern er sucht, denn sofern er sucht, wird er sich irren. Der Weg jedes Einzelnen ist vorgegeben. Es gibt keinen Zufall und kein Schicksal. Gott trägt lange Haare, eine Brille und einen weißen schweren Mantel. Er hat die Welten-Simulation programmiert glauben die Menschen – doch sie irren. Gott ist ein Hirngespinst, welches sich der Mensch erdachte, um sich selbst zu erdenken. Die Suche nach dem Sinn des Lebens findet sich weder in der Suche noch im Sinn, sondern im Leben selbst. Alles fließt im Einklang ohne deine gedanklichen Staudämme. Verschränkst du die geistigen Arme, wirst du wie ein Stein untergehen. Öffnest du sie, findet dich das Sinnige von ganz allein und rettet dich an sicheres Land. Merke dir, oh mickriges Menschlein, nichtig ist dein Schein, ironisch gar dein Sein, baust in der Phantasie dir Wolkenkratzer, doch lebst in gedanklichen Wellblechhütten - der Mantel der Erinnerungen wird allmählich von Motten zerfressen, der Blick ist am Horizont gefroren, die Marionette spielt sich selbst. Und wenn der bleiernde Kahn das dunkle Geschwulst deines blutigen Seelenflusses durchquert: Halte keine Ausschau, sei nicht wachsam, schone deine faulen Augäpfel und ergib dich mir, denn ich bin dein Boot, dein Fluß, deine Realität und dein Traum – Dein Gehirn.“


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Kommentare

patrick wrote on 2007-04-30 15:01:55

Gefällt mir sehr gut! Erinnert an die abstrakten Mitteilungen der Intermediären in Houellebecqs' "Möglichkeit einer Insel": Sowas finde ich archetypisch post-postmodern; Sartre hätte gesagt "es reißen die Pfirsischhäutchen des lieben Gottes" und ansonsten zugestimmt; Sloterdijk hätte wahrscheinlich das griechische Alphabet als Analogon angeführt und von Greifarmen in alle Richtungen gesprochen (vllt. etwas mehr oder weniger mechanisch); und Nietzsche hätte sich vor die Füße der anderen beiden erbrochen.

Ich für meinen Teil bemerke, dass die Sonne einfach scheint und lese eine wenig subtile Aufforderung zum Hedonismus. Prost!

Jennifer wrote on 2007-04-28 10:58:07

Gott ist eine Frau

p.s.

EMANZENJEN :P

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