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Blog 1: Dominique in China - Erste Eindrücke

Ich habe sicher die Hälfte vergessen, bin übernächtigt und mein Hirn fühlt sich leicht wacklig an, aber ich habe hiermit mein Bestes getan, um einen kleinen Eindruck zu vermitteln

Der Anfang ist meistens das Schwierigste, gerade, wenn ich überlege, was ich bislang alles an Eindrücken gesammelt habe. Bevor ich auch nur einen einzigen Fuß auf zentralchinesischen Boden gesetzt hab, ist bereits soviel passiert. Dass ich mich als Ausländer gefühlt habe, ging schon in Berlin am Flughafen los, da neben mir 3 weitere Europäer in einem Airbus geflogen sind, da waren also bestimmt ein paar Hundert Chinesen. Das Rotzen scheint hier ziemlich weit verbreitet und generell akzeptiert zu sein, ok, von mir aus, aber als ich mir einmal die Nase geputzt habe, wurde ich schnell darauf aufmerksam gemacht, wie ekelhaft das sei, und dass ich dies doch bitte unterlassen soll. Ok, von mir aus. Im Flugzeug fangen die Boardbegleiter bereits an, deine Temperatur zu messen, mit roten Laserpistolen, und geben dir 2 Formulare, die man ausfüllen muss. Aufenthaltsort, Telefonnummer, etc pp. Ich hatte keine Ahnung von Jans Adresse...war zum Glück aber auch kein Problem. Ich ließ sagen, dass die medizinische Paranoia, die in Beijing am Flughafen zu herrschen scheint (viele Bedienstete rennen mit Mundschutz rum), eine H5N1 Nachwirkung ist, ich dachte zuerst an SARS...whatever.

Dass in Großstädten Autos hupen, war mir ja vorher klar, aber so ein Hupkonzert wie in Beijing habe ich echt noch nie erlebt. Da bleiben Autos teilweise ohne ersichtlichen Grund mitten auf der Strasse stehen, scheren im letzten Moment aus, ohne zu blinken, schneiden sich, fahren dicht auf...ich frage mich welche Funktion die Hupe tatsächlich hat, auf jeden Fall wird sie ständig benutzt. Cola kostet 30 cent, Kippen zwischen 60 ct und 4 Euro, je nach Qualität. Am Aschenbecher gibt es Spucknäpfe, und der chinesische ?Klomann?, den ich getroffen habe, war guter Dinge, hat gesungen, mir Handtücher etc angegeben, um mich nachher anzugrinsen, seine Finger zu reiben, um mir zu signalisieren, dass er Geld haben möchte. Nicht mit mir, ich war der einzige, der da ?bedient? wurde, und ich war der einzige Ausländer...war also klar, was hier Sache ist.

Im Nachhinein habe ich das ein bisschen bereut, denn als ich den Zustand der öffentlichen Klos gesehen hab, in denen kein Klomann rumschwirrt...ich gehe hier besser nicht ins Detail. Was kann man bis dato noch sagen. Achja, es ist laut, überall. Menschen schreien am Telefon und jemand, der einfach seine Ruhe haben will, ist hier denke ich nicht allzugut aufgehoben. Zum Glück trifft das auf mich nicht zu :)

Was mir sehr positiv aufgefallen ist, ist wie hier mit den ?Alten? umgegangen wird, Menschen die nicht mehr gut sehen oder laufen können. Um diese Menschen wird sich sehr liebevoll mit einer Selbstverständlichkeit, Geduld und Toleranz gekümmert, wie ich es aus Deutschland in der Regel nur von Leuten kenne, die dafür bezahlt werden. Wie mit den Alten umgegangen wird, habe ich einmal gelesen, daran kann man den Wert einer Gesellschaft ablesen. Wer weiß.

Hier fahren Busse rum, die mit der Aufschrift ?100 % perfect Hotel? werben...der Bus war allerdings schon sowas von scheintot, dass das nicht ernst gemeint sein kann und eher nach der letzten Chance wirkt, doch noch Kunden zu erhaschen.

Achja, das Spucken...es scheint normal zu sein, überall hinzuspucken, unabhängig davon, ob man sich in geschlossenen Räumen / öffentlichen Gebäuden aufhält oder nicht.

Ich komme mir sehr beobachtet vor. Alle gucken mich an, da ich vergleichsweise groß bin, sind die meisten nicht, einen Bart trage, haben die meisten nicht, und eine Glatze habe, kennen die meisten nicht. Kleine Kinder bleiben vor mir stehen und starren mich an, was noch ganz witzig ist, aber ich komme mir in meinen ersten Tagen hier nicht nur vor wie ein Alien, ich werde anscheinend auch so wahrgenommen. Das ist nicht weiter schlimm, ich werde weder beleidigt, noch ausgelacht, aber dass ich hier sehr stark wahrgenommen werde, ist offensichtlich.

Als ich dann nach 21 h Flug- und Wartezeit endlich in Wuhan angekommen bin, sind wir mit dem Taxi 60 km zu Jans Wohnung gefahren, um danach auf eine Halloweenparty zu gehen. Ich habe hier mein eigenes Zimmer mit Schreibtisch, Bett, Sessel...also allem, was ich brauche. Jans Freunde sind alle sehr nett, die meisten studieren Informatik, Physik oder Ingenieurswissenschaften und kommen aus Ghana, Papua Neuguinea, oder kleineren umliegenden Inselgruppen. Mit anderen Worten, alle Freunde, die ich bis jetzt vom Jan kennen, sind schwarz :P
Bevor ichs vergesse, die Paul Panzer Fans unter euch werden es verstehen...ich habe Kokossaft getrunken :)

In Wuhan tanzen die Menschen jeden Abend auf der Strasse und jeden Abend und jeden Morgen kann man sehr sehr günstig sehr leckeres Essen kaufen. Das Restaurant, in welchem wir waren, war für chinesische Verhältnisse, ließ ich mir sagen, semi gut, semi laut, etc...

Lecker fand ich das Essen in jedem Fall, es handelte sich um ?Sichuan-Küche?, also eine der 4, mir bekannten, chinesischen Küchen. Überall Chili drauf und irgendwann ist die Zunge taub aber hey, warum nicht. Der Restaurantbesitzer kam gleich an unseren Tisch, bat mir eine Zigarette an und fing an, mir seine Englischkünste zu demonstrieren. Hat die teuersten Zigaretten geraucht, die man hier kaufen kann. Ich ließ mir sagen, eine angebotene Zigarette ablehnen, kommt ungefähr dem gleich, einem Fremden zur Begrüßung ins Gesicht zu spucken. Taxifahrer, Kneipenbesitzer...alle bieten mir Zigaretten an, sobald ich mit ihnen rede. Ein Mädchen in der Kneipen wollte meine linke Hand sehen, weil sie sich meinen Ring angucken wollte...was das bedeuten soll, habe ich bisher nicht verstanden. Aber ich verstehe auch nicht, warum die Servietten im Flugzeug nach Pfeffer gerochen haben. Oder warum es im Supermarkt keine Laufbänder gibt. Oder warum die KP Studenten untersagt, in dem ersten Studienjahr einen Computer zu besitzen, woraufhin diese in ein Internetcafé gehen, da diese 24/7 geöffnet sind.
Supermarkt ist ein gutes Stichwort: Es gibt Bierchips. :) Alles, was theoretisch irgendwie essbar ist, wird in eine Wurst gepresst. Fischwurst ist da wohl mein Anti-Beispiel...

Es gibt eine riesige Auswahl an allem, der Supermarkt hat 2 Etagen und ist sehr sehr groß. Wein nimmt man sich nicht aus dem Regal, er wird Dir empfohlen und angereicht. Fisch kauft man nicht einfach tot, sondern fischt ihn mit dem Netz aus dem Wasserbecken und lässt ihn fertigmachen (was in dem Fall heißt, dass der noch zappelnde Fisch seitlich aufgeschnitten wird, Tierschützer hätten da wahrscheinlich keinen Spaß dran). Dasselbe gilt auch für Krebse. Abgesehen davon scheinen die Chinesen in Wuhan auch sehr experimentierfreudig zu sein, machen aus wirklich Allem entweder Wurst oder Saft. Gestern habe ich z.B. Maissaft getrunken, sehr bekömmlich. Es gibt hier wahrscheinlich so um die 300 verschiedenen Säfte / Drinks / nichtalkoholische Trinflüssigkeiten.

Von daher bin ich als experimentierfreudiger Menschn ganz gut aufgehoben, da ich ca 30 % der hier erwerblichen Produkte weder jemals gesehen habe, noch mir vorstellen kann, welch kryptisches Etwas sich dahinter verbergen mag. Also kaufen, ausprobieren. Falls es nicht die beste Idee war, ist man halt auch nur 30 cent ärmer.

Das einzige was mich an dem Supermarkt richtig nervt, ist, dass sowohl der Zugang zur Kasse, als auch die Kasse so dermaßen klein sind, dass ein Großeinkauf zum absoluten Horrortrip wird und man mindestens 3 optimal aufeinander abgestimmte Mitmenschen braucht, um dem gerecht zu werden.

Ist in meinem Fall natürlich super, mein Mandarin ist ja mittlerweile nahezu perfekt...nicht !

Fleisch liegt teilweise einfach offen rum, sodass sich jeder bedienen kann, wie in einem Süssigkeitenladen. Sieht verdammt lecker aus. Aber mit Masken rumrennen, wegen Krankheiten, und dann Essen offen liegen lassen ? Ich muss ja nicht alles verstehen...

Übermorgen geht?s nach Beijing, ich habe immer noch nen Jetlag und den Tagesrhytmus noch nicht drauf, mein Körper stellt sich gerade auf das sehr leckere, aber durchaus andere Essen ein, die Menschen die ich treffe sind nett, vor Taxifahrten habe ich manchmal ein bisschen Angst, hier sind viele Ausländer, aber ich bin, neben Jan, der einzige ?Weiße? hier, und Jan ist ja auch mehr Chinese :)

Nicht dass das schlimm wäre, ich wollte den Austausch, nun habe ich ihn. Habe mit ein paar Chinesen geredet und natürlich direkt mit Wirtschaft angefangen und mit ökologischer Verantwortung. Ich möchte dies aber nicht wiedergeben, was das Mädel gesagt hat, war einfach nicht repräsentativ...hoffe ich.

Ansonsten geht?s mir gut, morgen treffe ich mich mit einem Freund, der mir vielleicht einen Job vermitteln kann, die Leute, von denen ich umgeben bin, sind sehr nett, hier gibt es zwar viel Polizei, aber ich habe die noch nicht einmal irgendwas machen sehen, und die sehen auch nicht so gefährlich aus, weil sie eh klein und dünn sind :)

Alles in allem bislang alles super, aber wir haben auch noch nicht viel gemacht, das ?Sightseeing? und so kommt noch, ich habe da ja noch ein paar Wochen Zeit...

In der Stadt gibt es sehr viele schöne Garten- und Parkanlagen, die ich mir dann in nächster Zeit ansehen möchte. Dazu auch den goldenen Kranich, eine Art Stadtwahrzeichen, dann die Uni, und und und...


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