Text-Layouts: WeblayoutZeitung3 Spalten

Blog 2: Das Einleben

Mich beschleicht langsam die subtile Angst, das gesprochene Deutsch zu verlernen. Wenn man sich langsam daran gewöhnt, den ganzen Tag nur Englisch zu sprechen, bzw. sich damit auseinanderzusetzen, was „Shi Fu, Man sao, man sao“ heißt, und was dieses oder jenes Schriftzeichen bedeutet, verliert man das ein wenig aus dem Auge. Wir diskutieren hier jeden Abend und wechseln da auch unter „uns Deutschen“ manchmal die Sprache, weil wir es auf Englisch besser ausdrücken können. Das scheint also ziemlich schnell zu gehen...A pros pos Mandarin, ich habe noch nicht wirklich viel gelernt, ich werde morgen oder nächste Woche, wenn ich aus Beijing zurück bin, mal zur Uni gehen, und schauen, ob dort Intensivkurse angeboten werden, sodass ich nicht nur ein paar Sprachfetzen aufschnappe, sondern zumindest tendenziell diese Sprache, von der ich glaube, dass sie innerhalb der nächsten 20 Jahre von stetig zunehmender Wichtigkeit sein wird, zu lernen.

Ich bin immer noch nicht ganz fit, Nachwirkungen vom verdammten Antibiotikum (ich hasse es, Pillen zu schlucken), abgetötete Bakterien, plus Zeit und Nahrungsumstellung machen meinem Körper ein wenig zu schaffen, ich ließ mir sagen, dies sei in ein paar Tagen vorbei. Hoffentlich. Morgen geht Jans Mitbewohner für ein paar Monate zurück nach Ghana, was sehr bedauerlich ist. Selten habe ich einen Menschen getroffen, der mit solch einer Selbstverständlichkeit seine Hilfe nicht nur anbietet, sondern auch zu seinem Wort steht. So habe ich jetzt bereits 2 Kontaktpersonen an Sprachschulen (die zu treffen ich allerdings noch nicht geschafft habe). Darüber Hinaus hat er gestern Abend die ganze Zeit SMS geschrieben, als wir im Club waren, und ich dachte, dass er bestimmt seiner Freundin schreibt und sprach ihn an. Er meinte nein, er aquiriere all seine hie rgewonnenen Freunde, dass die sich um mich kümmern sollen und mir helfen sollen, wann immer ich Hilfe brauche. Abgesehen davon ist er für einen (West)-afrikaner sehr ruhig, geradezu schüchtern, aber wenn man selbst soviel redet wie ich, braucht man ja nicht zwangsläufig noch eine Laberbacke um sich herum.

Chinesischer Club gestern: Alter Schwede. Erstmal wirkte dieser mehr wie ein römisches Dampfbad, als das, was ich als bescheidener Ex-Berlin-Bewohner als „Club“ bezeichnen würde. Warum ich gesondert erwähne, dass es sich um einen chinesischen Club handelt ?

Da Jan, Paa und ich die einzigen Ausländer (lao wei) waren. Was nicht bedeutet, dass nicht 2 Chinesen nach 2 Minuten Fotos mit mir machen wollten, mir Zigaretten und Schnaps angeboten haben. Dies abzulehnen, soviel habe ich mittlerweile gelernt, ist mehr als unhöflich und da ich mich, unbescheiden wie ich bin, tendenziell auf interkultureller Austauschsmission sehe, bin ich mir dieser Verantwortung wohl bewusst :)

Will sagen, im Moment verhalte ich mich eigentlich so, dass ich mich bei jedem Handgriff frage: Macht man das so? War das unhöflich? Dies hemmt natürlich einerseits, aber andererseits hilft mir Jan auch teilweise, oder beantwortet mir Fragen, um größere „Fehler“ zu vermeiden. Obschon er mich natürlich auch meine eigenen Erfahrungen machen lässt...größtenteils sogar, was auch gut ist.

Die ersten Kontakte in diesem Club habe ich auf zweierlei Art und Weise empfunden: Erstens schien ein großes Interesse an meiner Person zu herrschen. Wo ich denn herkäme, wurde ich auf Englisch gefragt. „Germany“, meine Antwort. Nach dem dritten Mal, dass ich dies sagen musste, guckt mich besagter Chinese ungläubig und lachend an und sagt: „You ?? Japanese?“ Und ich: „No, Germany. De Guo“ (Chinesisch für „Deutschland“) Und er: „Ah, Germany!“ Wenigstens haben wir beide gelacht. Aber ich muss auch zugeben, dass die Chinesen, die ich bisher kennegelernt habe, zwar Englisch sprechen, aber so einen krassen Akzent haben, dass ich mich über jeden Provencebewohner freuen würde, der versucht, seiner seit 2 Wochen erlernter angelsächischer Sprache zu fröhnen, denn ich verstehe nahezu nichts. Als ich dann aber noch ein paar ganz simple Dinge auf Chinesisch in sein Ohr säuselte (Verzeihung, der Herr, ich bin ein Pandabär, 1 bis 10) hatte ich dann gewonnen: Die Chinesen ließen mich an ihrem üblen Saufgelage (Mitten in der Woche, gegen 2 Uhr morgens, wen kümmerts), teilhaben. Wieviel so kleine Menschen in sich reinkippen können, ohne selbst zu kippen, nämlich auf den Fußboden, ist mir ein absolutes Rätsel.

Achja, ich hab gerade den roten Faden wiedergefunden: Meine zweite Wahrnehmung dieses Kontaktes war...nunja...ich fühlte mich mal wieder beobachtet, fast wie ein Affe im Zirkus, oder ein Weißer in Afrika, oder ein Schaf in einer Wolfsherde (aber ich bin noch heile, keine Sorge). Da der Chinese mehrfach darauf bestanden hat, mit mir auf die Tanzfläche zu gehen, tat ich ihm schließlich den Gefallen. Die Tanzfläche, ein riesiges Holzbrett, mit Schwungfedern eingelassen, will sagen ein Trampolin, war direkt leer, als die „lao wei“ auf der Tanzfläche gesehen haben. Beobachtung, Klatschen, vom DJ angefeuert werden. All sowas. Von dem Servicde, dass dein Glas automatisch nachgefüllt, dein Tisch immer sauber ist, ganz zu schweigen. Vielleicht galten wir aber auch als VIP´s, weil der Jan es sich trotz „Lass es uns heute mal ruhig angehen“ nicht nehmen lassen konnte, für Paa, ihn und mich eine Flasche Gin zu bestellen. So ist er eben, der Jan :)

Und man will ja nicht unhöflich sein, hahahahaha !
Anderes Thema, muslimisches Essen in einer...Chinesen würden es kleines Restaurant in einer Nebenstrasse nennen, ich nenne es Schabracke im Ghetoo (sorry). Aber das Essen war so unglaublich lecker, dass iuch wahrhaft zugeben kann, erstens, der Schein trügt oftmals, wieso sollte ein Restaurant seine Ressourcen darauf verschwenden, gut auszusehen? Zweitens habe ich wahrscheinluch für unschlagbare 50 cent (!!!) noch niemal meinen Wanzt vollschlagen können (jaja, westliches Argument), geschweige denn, so lecker. Frisch gemachte Nudeln (sieht übrigens sehr interessant aus, wie der Teig da von A nach B durch die Luft geschwungen wird, täglich 30 min in dem Restaurant arbeiten, und man braucht keinen Sport mehr), leckeres Fleisch, nette Gäste (die ihre Nudelsuppe in ca 3 Minuten wegschlürfen, Rekordzeit und insgesamt eins ehr entspanntes Ambiente.

Das Essen ist überhaupt sehr reichhaltig, vielseitig und vor allem gibt es immser sehr sehr viel. Dennoch habe ich hier noch nicht einen einzigen, auch nur ansatzweise dicken, Chinesen gesehen. Das mag aber womöglich daran liegen, dass das Essen erstens frisch, zweitens nicht so fett, und drittens meistens sehr scharf ist, weil Chili wirklich überall draufkommt (Brot, Kartoffeln...). Auf die Teekultur bin ich sehr gespannt, ich habe in meiner „Vorbereitungszeit“ gelesen, dass der chinesische Teekonsum etwa mit dem westeuropäischen Weinkonsum vergleichbar ist. Mit selbigem habe ich übrigens auch hier, in Wuhan, bereits meine reichhaltigen Erfahrungen machen dürfen.

Nichtsdestotrotz habe ich bisher eigentlich noch nicht viel gemacht, und „das Eigentliche“ kommt erst noch. Aber da ich so viel reden kann, schaffe ich es irgendwie dennoch, Zeilen zu füllen, und hoffentlich nicht allzusehr zu langweilen. Aufbald !


RSS feed RSS RSS feed RSS (Kommentare)

Kommentare

* Why use my real name?


* Pflichtfelder