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Mittwoch, der 07.11.2007 : Haare, Wein & Zigaretten

Was soll die Ganze Sehnsucht. Die ganze Ehrlichkeit, wenn wir doch nur verlorene Tagebücher sind.

Ein verlassenes Tagebuch, das ist ein trauriger Anblick. Es liegt auf einem Stuhl oder noch schlimmer unter einem Tisch. Die Buchdeckel hat es fest zusammen gepresst um nichts von dem Staub zwischen die Seiten zu bekommen.
Sie legt mit die Hand auf die Schulter und meint lachend: "Schön, dass du da bist. Möchtest du was trinken." Ich so blass, sie so dunkel wie Vollmilchschokolade. "Ich fahre," sage ich mit Blick auf die Weinflasche. Sie macht einem jungen Kerl die Haare während ich meine Zigaretten anzünde und unter Zischen und Husten rauche. Wie seltsam, das ist: In eine Wohnung zu fahren um nicht alleine zu sein. Sie hat einmal gemeint, dass sie die Einsamkeit auch nicht erträgt. Wegen ihrem kleinen Sohn bleibt sie zuhause. Muss sie. Er schläft neben an. Der Kerl verzieht den Mund, denn das Flechten schmerzt. Ich lache und reiße schweinische Witze.
"Ich glaube es ist normal, das jeder hin und wieder weint. Alleine im Bett, mitten in der Nacht." Ich nicke und sie spricht von Liebe und Verliebtheit. "Wie alt bist du eigentlich," frage ich und sie schüttelt den Kopf. "Ich war neunzehn als ich mein Kind bekam," antwortet sie. Der kleine ist acht.
Zwei Seelen sind gut in der Lage sich zu trösten: Schlimmes zu verhindern und den eigenen Schmerz zusammen zu halten. Wenn das Gesicht entgleist ist es schon zu spät. Ich weiß nicht ob ich trotz des Fahrens Wein getrunken habe. Sie erzählt von ihren Beziehungen und ich kugle mich auf dem Sofa zusammen. "Du brauchst einen ordentlichen Kerl," flüstere ich und puste die Kerzen auf dem Tisch aus. "Es ist nicht so, dass ich nicht suche." "Ich weiß."
Wir werden allein geboren, wir denken allein und wir werden alleine sterben. Ist der Mensch überhaupt für etwas anderes als Einsamkeit gemacht. Ist Freundschaft nicht das Beste, das wir erwarten können.


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Kommentare

patrick wrote on 2007-11-21 12:16:29

Zigaretten rauchen & Mundwasser, *nickt zustimmend und holt sich einen Espresso*.

PM

Sandpaper Kisses wrote on 2007-11-18 23:30:19

ZITATVor allem Sonntags. Was tun? Schulter zucken.../ZITAT

ANTWORT die Fremde besuchen und hier die Zigaretten rauchen, das Wundwasser tropfen lassen. Oh, was für ein wunder. wunderbares BIld ... /ANTWORT

*grinst*

patrick wrote on 2007-11-18 17:12:01

"Mal ist es trocken" klingt, als würdest du psychische Wunden wie Fleischwunden beschreiben. Diese hier nässt ab und zu. Manchmal ist der Anblick des Lebens so erschreckend, dass nichts bleibt außer sich eine Zigarette anzumachen und so auszusehen wie alle Anderen.

Ja, die Einsamkeit. Mit der habe ich mich schon oft geprügelt. Sie wohnt eine Ecke weiter, und auch ein paar Straßen weiter. Ich begegne ihr oft; mag sie nicht. Vor allem Sonntags. Was tun? Schulter zucken...

Sandpaper Kisses wrote on 2007-11-18 16:13:34

Hin und her. Mal ist es wirklich irre, mal ist es trocken wie viele Rotweine aus Italien. Weißt du, ich versuche mich nur an einer Sache fast zu halten. Schönheit. Aber so leicht ist das nicht. Recht schwer und kalt.

Ach, Einsamkeit ... ein existenzielles, nicht auszuhaltendes Etwas. Was sagte der komische Kerl in meiner Stammkneipe, ein bisschen Narzist, wein bisschen Tunte, ein bisschen Macho: Wir sehnen uns nach Gebortenheit. Und ich: Sehnsucht ist das einzig Ehrliche am Menschen. Neben Hass.

Sandpaper Kisses wrote on 2007-11-18 16:12:22

Hin und her. Mal ist es wirklich irre, mal ist es trocken wie viele Rotweine aus Italien. Weißt du, ich versuche mich nur an einer Sache fast zu halten. Schönheit. Aber so leicht ist das nicht. Recht schwer und kalt.

Ach, Einsamkeit ... ein existenzielles, nicht auszuhaltendes Etwas. Was sagte der komische Kerl in meiner Stammkneipe, ein bisschen Narzist, wein bisschen Tunte, ein bisschen Macho: Wir sehnen uns nach Gebortenheit. Und ich: Sehnsucht ist das einzig Ehrliche am Menschen. Neben Hass.

patrick wrote on 2007-11-18 14:10:15

Schön deinen ersten Text hier zu sehen, freue mich sehr darüber. Ich hoffe ihm werden noch einige folgen.

Du lebst auch am Rande eines ekelhaften Wahnsinns, oder?

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