Text-Layouts: WeblayoutZeitung3 Spalten

Mittwoch, der 28.11.2007 : Kann es sein, dass ich sie schon jetzt vermiss

Szene an einem Sonntag. Verregnet und müde und voller Sehnsucht, die ja so ehrlich ist.

In was für einer Welt leben wir? Depressive Sonntage in Standardkneipen fordern zu tage wovor mir graust. Ich vermeide es Kurzmitteilungen zu schreiben: Es gibt kaum etwas, dass ich in 250 Zeichen gebührend ausdrücken kann. Dann eine solche Mitteilung auf meinem Handy und der Absender nur eine Glasscheibe von mir getrennt.

Er fragt mich, ob es sein kann, dass er eine meiner besten Freundinnen liebt. Er fragt mich ob man nach einer Woche in der man relativ viel Zeit mi dem anderen verbracht hat verliebt sein kann. Und ich schreibe nicht zurück.
Alles was er an diesem Abend von mir zu hören bekommt ist ein gemurmeltes: In welcher Welt lebt du eigentlich.

Frag mich nach Liebe. Ein Kaktus kann dir vermutlich mehr darüber erzählen. Ich entwickle kranke Zuneigungen. Liebe war bis jetzt noch nicht darunter.
Aber es scheint sie zu geben und es ist ihr recht egal wann sie sich einem aufdrängt. Ich kann mich nicht verlieben.

Ich kann mich nicht verlieben in jemanden, der meine Freiheiten gegen meinen Willen einschränke will. Nur weil du mit mir schläfst, gehöre ich dir nicht. Du musst dich um mich bemühen und ich muss Freiheiten in Freiheit für dich aufgeben, sonst fühle ich mich wie ein gefangener Vogel, das habe ich einmal gesagt und ich glaube ich sage es noch immer.

Kann es sein, dass ich sie jetzt schon vermisse, hat er gefragt und ich habe ohne auf zu stehen genickt. Durch die Scheibe muss er es gesehen haben und ich dachte mir: Es ist eine komische Welt in der wir leben. In der ich mich an solchen depressiven Tagen in eine Bar verziehe um die Einsamkeit weg zu tratschen. In der ich mich so sehr auf den Besuch eines Fremden freue wie ein kleines Kind sich auf seinen Geburtstag freut - so schwer fassbar wie er Wind - weißt du eigentlich, dass deine vom Wind verstreuten e-Mail immer zur richtigen Zeit kamen, Fremder? In der man mit Fremden durch das Fremdsein so viel mehr Vertrautheit gewinnt. In der ich arbeiten gehe und wieder nicht und ich nach Zerstreuung lechze. In der man nicht reden muss, wenn man den Mund nicht aufbekommt, schreibt man SMS.

Wo das Schweigen so schön sein kann ...

Weißt du ich nehme dich in den Arm.


RSS feed RSS RSS feed RSS (Kommentare)

Kommentare

Sandpaper Kisses wrote on 2007-12-01 17:52:38

Mehr als entschuldigt.

Aie, ich glaube so sollte es sein. Weißt du wenn man mich nicht kennt denkt mancher ich wäre ein schrecklich verlorener Idealist. Aber je mehr ich mir über mich selbst klar werde, desto klarer wird das ich zwar Ideale verfolge, die sich gleich anhören, aber seltsam anders sind. Ich komme oft mit Freunden an einander wenn es um Liebe geht. Grade Liebe, das ist so ein gutes Thema, ich mag sie.

Weißt du, eigentlich sollte auch die Liebe ein Spielchen sein ... . Kein schlechtes ohne Regeln.

Einmal hab ich wohl Nachts im Halbschlaf gesprochen: Liebe ist dann schön, wenn sie erstarrt ist und nur ein Windhauch sie hin und wieder taut.

Flammende Herzen ekeln mich an. Ich bin gespannt ob du das verstehst :) ... und irgendwie zuversichtlich.

patrick wrote on 2007-12-01 16:16:08

...war so frei zwei Rechtschreibfehler zu entfernen. Entschuldige.

Vielleicht sollte jeder Mensch einen fremden Vertrauten haben wie du ihn hast. Zwar kann man dann nicht von authentisch im Sinne des Fischers im verträumten französischen Küstendorf sprechen, aber vielleicht gestaltet sich eben so die Moderne.

Was auffällt ist der für die Postmoderne symptomatische Umgang mit dem Gegenstand der zwischenmenschlichen Beziehung. Es scheint das klassische Ideal der Liebe (wer kannte es, Galilei?) immer mehr zu verblassen und einer nicht-idealisierten Gegenständlichkeit (man bemerke den Rückbezug) Platz zu schaffen. In einer Einleitung zu einer Erklärung des Scientific Realism habe ich vor kurzem eine Passage gelesen, die in etwa folgendermaßen ging:

Es gibt in der modernen Philosophie zwei gegenläufige Positionen: den Realismus und den Idealismus. Der Letztere setzt eine Abhängigkeit der gegenständlichen Welt vom menschlichen Geist voraus (der Baum ist vielleicht nicht da, wenn niemand hinschaut), ist also Metaphysik, welche trotz des irreführenden Namens keine Wissenschaft ist. Der erstere wird auch als Scientific Realism bezeichnet, der letztere auch als Anti-Realism.

Das klassische Ideal der Liebe (wie der Ausdruck "Ideal" schon sagt) muss wohl (leider?) ebenfalls der Metaphysik, dem Anti-Realismus zugeordnet werden, und wird es meiner Meinung nach in dieser Zeit die manchmal Postmoderne genannt wird ganz eindeutig.

Ein Fazit dazu habe ich nicht.

* Why use my real name?


* Pflichtfelder