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Ich habe mal gelesen,dass...

Eine satirische (also ĂŒberzogene) Darstellung dessen was sich in altĂ€glicher Konversation so zutrĂ€gt wenn jemand folgende Wörter aneinanderreiht: Ich hab mal gelesen, dass....

Ich hab mal gelesen, dass....

Es ist bemerkenswert, wie sich manche Unarten der Kommunikation an unserem Bewusstsein vorbei in routinemĂ€ĂŸige Praxis des Alltags verwandeln. Mein persönliches Highlight ist, nicht etwa die Verwendung von Anglizismen, sondern die SĂ€tze "...das hab ich irgendwo gelesen" oder noch besser "...das hab ich irgendwann mal im Fernsehen gesehen".

Da unterhĂ€lt man sich mit Freunden auf einer Feier ĂŒber Quantenmechanik oder professionelle Erdferkelzucht (zugegeben: ich habe von beidem ungefĂ€hr soviel Ahnung wie ein Pinguin von American Football, aber genau darum geht es) und dann kommt dieser verhĂ€ngnisvolle Satzanfang: "Ich hab aber mal irgendwo gelesen, dass...." In diesem Moment lĂ€uft in meinem Körperinneren eine komplexe, biologische Reaktion ab die bewirkt, dass mein Mageninhalt stetig nach oben strebt. Komischerweise scheint es nur mir so zu gehen, denn anstatt mit mir ein Wettrennen zur nĂ€chsten Toilette zu veranstalten um sich dort möglichst elegant oral zu entleeren antworten die anderen GesprĂ€chsteilnehmer mit SĂ€tzen wie "Ja aber ich hab mal im Fernsehen gesehen, dass..."

Zu diesem Zeitpunkt wechsele ich meist dezent das Thema indem ich meinen Freunden dezent offenbare was ich heute zu Mittag gegessen habe (heißt ich kotze ihnen dezent vor die FĂŒĂŸe).

Jetzt mag der geneigte Leser möglicherweise denken meine Freunde seien eben Fachleute, sehr sehr belesen und sĂ€hen den ganzen Tag NTV und Phoenix wĂ€hrend ich eben bestenfalls als normal-intelligent zu bezeichnen bin. Bei zweitem gebe ich dem Leser uneingeschrĂ€nkt recht zu erstem lassen Sie mich Ihnen versichern: Niemand aus meinem Freundeskreis studiert Physik oder das Paarungsverhalten von Erdferkeln. WIRKLICH NIEMAND! Außerdem verbringe ich soviel Zeit mit meinen Freunden in denen sie weder NTV gucken, noch wissenschaftliche BĂŒcher wĂ€lzen, dass ich es nach Abzug der Zeit fĂŒr Schlafen, Essen, Beruf und regelmĂ€ĂŸige ToilettengĂ€nge fĂŒr unwahrscheinlich halte, dass meine Freunde tatsĂ€chlich ein solches Mehr an Wissen angehĂ€uft haben. Es ist doch scheinbar so, dass Menschen die solche Phrasen verwenden sich in den meisten FĂ€llen (ja ich erkenne Ausnahmen an in denen tatsĂ€chlich irgendwer irgendwas irgendwo mal aufgeschnappt hat) eine mehr oder weniger clevere Theorie ĂŒberlegt hat (ob sie nun mehr oder weniger clever ist vermag ich nicht zu sagen da ich nach dem einleitenden "ich hab mal irgendwo gelesen, dass..." so mit meiner inneren Übelkeit zu kĂ€mpfen habe, dass ich den Rest der AusfĂŒhrung nicht mehr mitbekomme) Anstatt aber einfach zu verkĂŒnden "ich habe mir ĂŒberlegt..." oder "Es könnte aber doch auch sein..." wird nach einer AutoritĂ€t gesucht die die eigene These stĂ€rker machen soll (oder der man sie Schuld geben kann falls die These doch allzu offensichtlich völlig bescheuert ist). Weil einem aber auf die Schnelle nichts einfĂ€llt und die Angabe zudem nicht so leicht NachprĂŒfbar sein soll, sagt man eben: "Das hab ich irgendwo gelesen" Wird man dann fĂŒr seine These belohnt folgt meist ein Satz wie:" Ich glaube es stand in der FAZ" wird man hingegen auf Grund des Unsinns den man soeben verlauten lies verhöhnt folgt meist ein Satz wie: "Ja stimmt das hab ich auch in der Bild gelesen, die hab ich letztens in der Bahn gefunden und nur mal einen Blick rein geworfen weil mir so langweilig war."

"Das hab ich mal irgendwo im Fernsehen gesehen" vermittelt zudem den Eindruck als wĂ€re das eben gesagte Allgemeinbildung und mĂŒsse von jedem verstanden und akzeptiert werden. TatsĂ€chlich ist die Reaktion der meisten ein wissendes Kopfnicken. Meine Reaktion hingegen ist der dringende Wunsch den Sprecher mit einem der umstehenden Schwedenfeuer anzuzĂŒnden. (wenn es sich um eine Gartenparty handelt, bei anderen Feierlichkeiten wechselt der Wunsch auf ErtrĂ€nken in der Bowle, Pflocken mit dem Zapfhahn oder sonstiges). Da ich aber Ă€ußerst pazifistisch veranlagt bin und meine WĂŒnsche somit regelmĂ€ĂŸig unterdrĂŒcke und zudem geschildertes Verhalten (also das Einleiten mit SĂ€tzen wie "ich habe irgendwo gelesen, dass..." nicht das anzĂŒnden von Menschen mit Schwedenfeuern) anscheinend allgemein akzeptiert wird werde ich in Zukunft wie folgt verfahren:

Immer wenn jemand anfĂ€ngt zu behaupten er hĂ€tte dies oder jenes irgendwo gesehen oder gelesen werde ich behaupten Jesus, Buddha, Gandhi oder sonst wer seien mir im Schlaf erschienen hĂ€tten mir das komplette Gegenteil erzĂ€hlt und mir noch mit auf den Weg gegeben das ich heute noch einem Idioten begegnen werde. Dabei werde ich meinen GegenĂŒber freundlich angrinsen und mich hĂ€misch freuen.

Schon jetzt freue ich mich auf vergnĂŒgliche Feierlichkeiten und schließe mit dem Hinweis darauf, dass John F. Kennedy mir gestern Nacht den Auftrag zu dieser Schrift gegeben hat. Mein Dank geht also an John und an Tobi der mir vor 10 Minuten erklĂ€rt hat was Schwedenfeuer sind ohne das irgendwo gelesen zu haben.


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Kommentare

myrmikonos wrote on 2007-04-20 01:52:19

Ich habe irgendwanneinmal, irgenwo gelesen, daß ich dir zustimme! :D

patrick wrote on 2005-11-23 13:02:25

Hallo Ben,

Leider gab es ein Problem mit den Kommentaren, daher sind diese hier verloren gegangen. Aber hey: hiermit ist ja schon ein neuer da!

Gruß,

Patrick

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