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Births Today

Gedanken zur Bevölkerungsentwicklung und dem Wissenswachstum.

Births today: 4,44/sec.
Deaths Today: 1,67/sec.
(Quelle: Worldometers)

Irgendwie schockierend, wenn das eigene Werk zu einem immer kleineren Teil am Gesamtwerk der Menschheit verblasst. Heute steht das Worldometer bei etwa 6,5 Milliarden Menschen (lebend), also ist mein Anteil daran 1/6.500.000.000 - nicht besonders viel. Eine Generation später wird es wohl die zehn Milliarden gesprengt haben...Worldometers, Stand: 09.Juli 2006

<b>Exponentielles Bevölkerungswachstum 10.000 v.Chr. bis heute</b> Der Ausblick der sich hier bietet ist neben dem einer immer bedeutungsloseren Existenz, einer immer freieren, weniger belastenden Existenz, derjenige eines exponentiellen Wachsens in alle Richtungen. Dominik Lambert hat ja schon erwähnt, wieviel Wissen anteilig am Gesamtwissen der Menschheit dem letzten Jahrhundert zugeschrieben werden kann (Ein Volk von Heuchlern und Populisten) - nun beeinflusst natürlich dieses Wissen auch wieder die Menschen, also die Produzenten des Wissens.

Interessanter Weise ermöglicht mehr Wissen immer mehr Wissensproduktion. Ein Beispiel seien hier die Computer-Technologien, die uns neue Möglichkeiten in Bereichen wie Formal- und Strukturwissenschaft geben, und sich so auf jede andere Wissenschaft begünstigend auswirken. Oder - ein neueres Beispiel - das Internet, welches - zumindest hypothetisch - den Menschen den Zugang zu Wissen erleichtert, und somit eine Grundlage zur Synthese bietet. Völlig neues Wissen - neue Qualität - wird immer zu Lasten der Quantität erschaffen: Eine neue Theorie ist dann am besten, wenn sie Erklärungen liefert, für die man früher mehrere Theorien brauchte, also in gewisser Weise synthetisiert.

In einer idealen Welt, in der alle Menschen - alle Mitglieder einer exponentiell steigenden Bevölkerung - Zugang zu einem exponentiell steigenden Wissenschatz haben, sollte sich das Wachstum des Wissens noch einmal exponentiell vergrößern. Und nicht nur das: durch die Unschärfe, die die moderne Kommunikation dem Wissenstransfer gibt, sollte die Mutationsrate der Meme vgl. Memetik enorm zunehmen, was eine weitere Differenzierung zur Folge haben könnte – ebenso allerdings eine Verwischung.

<b>Anzahl wissenschaftlicher Paper die nach peer review veröffentlich wurden (in tausend nach Jahren.
Science and Technology Indicators: 2004, NISTEP) Das wird aber in absehbarer Zeit und einer nicht idealen Welt (unserer) nicht passieren. Ein steigender Grad an Wissen scheint nur in einer sicheren Gesellschaft möglich: Ein Bauer, der um das nackte Überleben kämpft, wird sich wenig für die Quantenmechanik interessieren (können). Gleichzeitig ist ein steigender durchschnittlicher Bildungsgrad einer Gesellschaft eine Bevölkerungswachstums-Bremse: Die Menschen setzen auf Qualität in der Erziehung der Kinder, im Gegensatz zur Quantität, auf die unser Bauer setzen muss, um sich abzusichern. Hinzu kommt, das die Menschen in den postmodernen Gesellschaften - und dies sind die Gesellschaften mit dem höchsten Grad an Bildung - der individuellen Entfaltung mehr Gewicht geben, als der Reproduktion Ronald Inglehardt & Pippa Norris, „Sacred and Secular -– Religion and politics worldwide“.

So kommt es, dass in den postmodernen Gesellschaften die Geburtenrate teilweise unterhalb der Reproduktionszahl liegt - also die Bevölkerung insgesamt sinkt, während die Bevölkerung in den preindustriellen oder neu industrialisierten Ländern steigt. In einer Rede zur Bevölkerungsentwicklung Deutschlands – eine eindeutig postmoderne Gesellschaft - 2003 sagte Johann Hahlen, Präsident des Statistischen Bundesamtes: „Das ... entstehende Geburtendefizit wird von 94 000 im Jahr 2001 auf fast 600 000 im Jahr 2050 anwachsen und kann durch die angenommenen Wanderungsüberschüsse nicht kompensiert werden.“ Pressekonferenz "Bevölkerungsentwicklung Deutschlands bis zum Jahr 2050" am 6. Juni 2003 in Berlin . In Indien dagegen wird bis 2050 ein Bevölkerungszuwachs von etwa 52% auf 1.628.000.000 Einwohner erwartet PRB, „PRB 2005 World Population Data Sheet“.

Steigende Bevölkerung in den weniger gebildeten Gesellschaften (Indien: 59,5% der Erwachsenen können lesen und schreiben, Quelle: siehe nächste Klammer), sinkende in den gebildeteren (Deutschland: 99% der Erwachsenen können lesen und schreiben, Quelle: CIA Factbook, Stand: 29. Juni 2006, link). Wohin dies auf Dauer führen muss ist klar: ein Sinken des durchschnittlichen Bildungsgrades der Weltbevölkerung, was im Rahmen einer zunehmenden Globalisierung auch für die postmodernen Gesellschaften kurzfristig kritisch werden könnte, dazu vielleicht bald mehr.

Drei Fakten scheinen klar: Die Weltbevölkerung steigt, der Bildungsgrad nimmt ab, das Weltwissen nimmt zu. Wie bringt man nun eine produktive Synthese aus diesen Fakten zustande?

Muss man vielleicht annehmen, dass die Evolution der Wissenschaft ähnlich der Evolution der Mode verläuft – nur eben mit zeitlich weitaus größeren Intervallen? In der Mode ist der Erfolg einer modischen Richtung gleichzeitig ihr Untergang: Eine Avantgarde an Designern entwickelt eine Mode, zuerst tragen ebenfalls nur avantgardistische (in diesem Fall eben reiche) Konsumenten die Produkte, langsam aber sicher verbreitet sich die Mode in der Bevölkerung, und sorgt damit für das (zwangsläufige) Aufkommen neuer Strömungen, da die nun "alte" Mode nicht mehr ihren Zweck erfüllt: den gleichen Zweck, den die Federn des Pfauen erfüllen. Eine Evolutionskurve der Mode ist dadurch wellenförmig – wahrscheinlich mit einem Peak alle sechs bis zehn Monate.

Verhält es sich mit dem Wissen, der Bildung, der Wissenschaft ähnlich? Mit einem Peak alle zwei- bis dreitausend Jahre? Eine stetig sterbende Avantgarde, die irgendwann so träge wird, dass mit ihr die Wissenschaft begraben und neu erfunden werden muss? Doch sicher nicht. Viel wahrscheinlicher ist die Abspaltung einiger elitärer Gruppen von dem zunehmend – man entschuldige den Ausdruck – verdummenden Rest, die in ihren eigenen Reihen moralische Standards wie den der Eugenie propagieren.

Allerdings erfolgt diese Abspaltung keineswegs in einer Art, die man als "verschwörungstheorethisch" bezeichnen möchte, sondern ebenfalls als evolutionärer Prozess: schlicht und ergreifend durch eine unausgesprochene Trennlinie zwischen dem, sagen wir "Proletariat" und den Intellektuellen. Schon heute beklagt man die Abkapselung der Universitäten von der restlichen Gesellschaft, nicht umsonst werden diese oft als "Elfenbeintürme" bezeichnet.

Die postmodernen Gesellschaften stehen im krassen Gegensatz zu der griechischen Philosophie der Marktplätze: Die weniger gebildeten Menschen sehen sich zunehmend mit einer für sie nicht verständlichen Spezialisierung der verschiedenen Wissenschaften, also mit einem Missverständnis der Aufgabe einer bestimmten Wissenschaft konfrontiert. Hinzu kommt das besagte Wachstum des Gesamtinhaltes der Wissenschaftszweige. Die entstehende Flut an Information, die oft mit dem Bild der beiden Physiker, die sich nicht mehr über Physik unterhalten können, weil beide zu hochspezialisiert sind, paraphrasiert wird, diese Flut scheint dem Laien nicht mehr überblickbar. Ein Zugang, egal von welcher Seite, scheint immer unnötiger und unmöglicher, da man mit dem Bruchteil zu dem der Zugang stattfindet sowieso nichts anfangen könnte.

Die einzige Schnittstelle zwischen Wissenschaft und dem Rest der Gesellschaft bietet derzeit das Fernsehen, welches die gegebenen Informationen von einem Wissenschaftler zusammengefasst nochmals zusammengefasst sendet. An dieser Stelle geht viel verloren. Der Wissenschaftler hat nur den Blick von einer – nämlich seiner – Seite auf die betreffende Wissenschaft und der Journalist oder Regisseur meist gar keinen: Eine einseitige Darstellung, die noch unfachkundlich gekürzt ist, lässt ein komplett falsches Bild von der Wissenschaft, dem Resultat und dem wissenschaftlichen Arbeiten entstehen, welches für den Laien noch verwirrender ist, nämlich bezüglich dem eigentlichen Ziel der Wissenschaften: Der Erkenntnis. Die Wissenschaft der Laien ist vor allem sensationell (keineswegs meine ich damit empirisch, sondern ein ganz alltagssprachliches "sensationell") und der Weg zum Ziel (also das, was Wissenschaft selbst eigentlich ist) kommt weder in der medialen Darstellung noch in der mentalen Representation des Laien vor.

Was folgen muss, ist eine Abwendung des Proletariats von der Wissenschaft. Und das tut sie: Wissenschaft ist heute nicht mehr in der Allgemeinbildung enthalten, sondern nur die Spezialisierung eines Zweiges der Allgemeinbildung, ein direkter Kontakt der gebildeten Menschen und der Wissenschaft besteht nicht; von bildungsfernen Schichten erst gar nicht zu sprechen. Oftmals kann man sogar eine Abwendung der Bildungfernen von der Wissenschaft betrachten: Begriffe wie das "Fachsimpeln" und der "Klugscheisser" könnte daher rühren; aber sicherlich kann jeder Wissenschaftler bestätigen, dass ein Gespräch sich schwierig bis unmöglich gestaltet, dass eine Kommunikation zunehmend scheitert. Der Grund liegt auf der Hand: Was genau sollte die "gemeinsame Basis" darstellen, den Inhalt eines Gespräches? Entweder der Wissenschaftler befremdet, und zwar deswegen, weil seine Informationen gemessen am Bild, welches der Ungebildete von der Wissenschaft hat, einfach unpassend erscheinen, oder der Wissenschaftler überfordert, weil die Sprache der Wissenschaft mittlerweile einfach viel zu weit von der Sprache der Massen divergiert.


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Kommentare

patrick wrote on 2007-11-21 23:51:12

Weil ich gerade hier drüber stolpere, und mir daraufhin die aktuellen Zahlen nochmal angesehen habe, gebe ich mal ein erschreckendes Update zu den link(http://www.worldometers.info,Worldometer) Statistiken:

6.691.445.000 Milliarden Menschen leben auf der Welt

350.000 Menschen wurden heute geboren

145.000 Menschen sind heute gestorben

Mir läuft es eiskalt den Rücken runter.

Jens Wingerath wrote on 2006-09-21 01:15:13

linkhttp://de.wikipedia.org/wiki/Bevölkerungswachstum/link

das sieht gar nicht so schlecht aus wenn man den prognosen traun darf und kein mittel gegen die seuchen entwickelt wird,.

ausserdem vielleicht gibt es ja sowas wie vernunft.

ein gewagter gedanke.

patrick wrote on 2006-08-10 14:12:04

Der Text ist nicht ganz abgeschlossen, aber ich werde wohl nicht mehr daran weiterschreiben.

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