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Der evolutive Paukenschlag

Ein Gästebucheintrag auf neuemoral.de

Die Moral war wohl schon immer ein strittiges Thema. Ist auch eine schwierige Entscheidung - wobei es ja nicht immer eine Entscheidung war, sondern erst seitdem der Mensch als Individuum evolutioniert. Noch vor 600 Jahren gab es da weniger Spielraum, gab es keine Entscheidung. Diese wurde einem abgenommen.

Ich muss auf der einen Seite meinem Vorredner recht geben, der eine Aufhebung falscher (und wenn ich ihn recht verstanden habe ist das für ihn alle) Moral fordert; der Mensch als Tier und die Triebe als neue Moral, das ist eine berechtigte Forderung. Es ist in meinen Augen sogar unmoralisch, da arrogant vom Menschen, sich von den Tieren abgehoben zu sehen - und hier: STOP! Ein Stehen zum Ego fordern, aber nicht arrogant sein dürfen, das klingt schief. Mensch (also Kulturwesen) sein, aber Moral abschaffen?

Ohne Moral könnten wir doch aus Individuen keinen Staat bilden, also kein Kulturwesen bleiben.

Aber die Andere Seite? Ein krasses Beispiel für konservative Moral ist wohl die Kirche - Halleluja! Die Psychologen schieben der Kirche wegen überzogener Sexualmoral den Schizoidisierungstrend der westlichen Zivilisationen in die Schuhe; damit liegen sie zwar nicht daneben, haben aber nur ein zweitrangiges Argument ausgegraben, denn eigentlich ist das Ideal "Eifer" (anstelle von "Glück" in anderen Kulturen) verantwortlich - zuerst für die Industrialisierung dann für die Schizoidisierung.

So kann es auch nicht klappen, denn ein Schritt zurück in der kulturellen Entwicklung bringt uns nur bald wieder in die gleichen Probleme.

Die Flucht geht nach vorn:
2 Milliarden Jahre für das Leben, 6 Million Jahre für Menschen, 100.000 Jahre für das was wir Menschen nennen, 10.000 Jahre für die Landwirtschaft, Wissenschaft 400 Jahre, Industrie 150 Jahre, Digitalisierung in nur 40 Jahren - Zugleich ein exponentielles Bevölkerungswachstum, man sehe sich allein die Verdoppelung der Weltbevölkerung innerhalb der letzten 40 Jahre an.

Und dazu die neue Intelligenz die alte, die biologische, lernt durch die digitale die sie selbst erschaffen hat umso schneller. Die Evolution der Rasse wiederholt sich in der Evolution des Einzelwesens, das meinte ich im ersten Abschnitt mit der individuellen Evolution.

Die Evolution lief schleichend und "langsam" ab, die Evolution des "neuen Menschen" hat ihre eigene Dynamik entwickelt. Früher gab es den Wettbewerb, mittlerweile ist eine gigantische Anzahl Menschen wettbewerbsfrei koexistent; bzw. der Wettbewerb hat sich verschoben, von Natur zur Kultur. Viele Menschen arbeiten gleichzeitig an einer Entwicklung der Menschheit, auch wenn ihr Blick meist auf kleinere Projekte beschränkt bleibt. Die Medizin lässt uns länger leben, so das wir mehr Zeit haben Erfahrungen zu sammeln und auf Basis dieser weiter zu forschen.

Die Geschwindigkeiten mit denen ich hier rechne, die Zahlen, wie sie steigen - all das lässt auf einen absehbaren Höhepunkt schließen; einen den wir jetzt lebenden Individuen vielleicht noch erleben. Moral und Ethik müssen da mitziehen: Wir können nicht den ersten Menschen seit 100.000 Jahren erleben, der kein Mängelwesen mehr ist und ihm die jetzt gültigen moralischen Maßstäbe vorsetzen; aber zum Glück brauchen wir das wahrscheinlich nicht mal. Die neue Evolution - die exponentielle Evolution, die digitale und künstliche Evolution - sie wird sich anpassen, wird die Drehung von allein oder besser notwendigerweise von selbst mitmachen, muss also mitmachen.

Werden wir uns der unvorstellbaren Möglichkeiten einer baldigen Zukunft doch bewusst:
Der Verwirklichung einer Utopie steht nichts im Wege; die Koexistenz ist möglich und vielerorts schon realisiert. Menschen wollen Macht, andere beherrscht werden - warum auch nicht - es ist nicht zwingend erforderlich, also wird es sich auf eine angenehme Basis hin adjustieren.

Man könnte sogar das Problem der Überbevölkerung in einer schwerlich absehbaren Zeit lösen, schließlich werden wir den Körper - ja, wir verstehen uns, den Körper - nicht immer brauchen. Der Mensch, das Kulturwesen, das selbstgemachte Kulturwesen, ist nicht mehr auf den erwähnten angewiesen. Wie oft geht heute schon der Trend dahin, sich den Partner/die Partnerin nach intellektuellen Maßstäben auszusuchen. Der Körper wäre hier überflüssig, ein per Maschine bewegtes und ernährtes Hirn ausreichend. Sogar auf sexuelle Stimulation und Orgasmen müsste in dieser sterilen Beziehung nicht verzichtet werden, ebenso wenig auf Fortpflanzung. Gleichzeitig würde das das Leben der Kreatur erheblich verlängert.

Die Möglichkeiten sind nicht mehr begrenzt, der Mensch ist das freie Mängelwesen. Die Moral wird sich anpassen, denn das hat sie immer getan. Die neue Moral wird bis zum evolutiven Paukenschlag viele Themen zu bewerten haben, wird aber irgendwann die Füße hochlegen können und zurückgelehnt einem noch nicht vorstellbaren Fortschritt der Rasse zusehen, der ohne Wettbewerb und somit ohne Ellbogen funktioniert.


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