Psychologie

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Genieforschung

Was macht das Genie aus und wie werden Menschen zu Genies?

Genie und Wahnsinn - nah beieinander oder leicht zu verwechseln?


Was macht ein Genie aus?

Das Genie ist nicht nur ein Vordenker, der bestimmte Trends früher als Andere bemerkt, sondern jemand der neue Richtungen einschlägt, die daraufhin vielleicht von Anderen verfolgt werden. Aber warum hat nicht Leonardo DaVinci schon einen Dieselmotor erfunden?

Das Genie ist ein Mensch, als solcher hat er eben keine göttliche Basis, auf der seine Forschungen beruhen, sondern eine menschliche. Die Forscher sind sich mittlerweile sehr einig darin, das ein Genie zum Genie wird, weil er bereits vorhandene Informationen auf außergewöhnliche Art und Weise mischt und so eine geniale Mischung herstellt. Eine Mischung, auf die der Normalsterbliche eben nicht gekommen wäre. Das Geniale besteht folglich darin, vorhandenes Wissen neu zu kombinieren und dadurch neues Wissen zu erschaffen. Leonardo DaVinci hätte ein paar hundert Jahre später also durchaus der Erfinder des Dieselmotors werden können.

Die meisten Genies haben noch eine weitere Gemeinsamkeit, die im Verlauf dieses Essays sehr wichtig wird: sie sind die Herren ihrer Wissenschaft, aber wenig alltagstauglich.


Wie entsteht das Genie?

Jeder geniale Wissenschaftler war mal ein Säugling - ein wenig genialer Säugling. Es ist weniger die Schule als viel mehr eine Eigenart des Charakters, die sich im Laufe der Jugend ausbildet, die für die spätere Berühmtheit verantwortlich gemacht werden muss. In der Schule lernt man nicht unkonventionelle Verknüpfungen herzustellen, in der Schule lernt man nur Konventionelles. Einstein ist bekannt für seine schlechten schulischen Leistungen, aber wir würden ihn nicht kennen, wenn er nicht im Ruf des Genies stünde. In der Schule lernt man die nötigen Instrumente kennen, mit denen man sich der Welt mitteilen kann, nicht aber das Neue - denn Information die es noch nicht gibt kann in keiner Schule verbreitet werden.

Das Genie enstehst vielmehr aus einer Charaktereigenschaft heraus. Doch bevor wir uns diese ansehen müssen wir erst einen Blick auf die bereits angesprochenen Verknüpfungen werfen.


Wie entstehen unkonventionelle Verknüpfungen?

Am besten beginne ich diese Erklärung mit einem Beispiel. In vielen aktuellen Werken aus dem Bereich der Neuropsychologie werden abstrakte Phänomene, wie zum Beispiel die Liebe, als Effekt einer Ausschüttung bestimmter Hormone aufgrund der Perzeption von - hauptsächlich - Gerüchen dargestellt. Die Idee ist auf ihre Weise genial, erfordert aber eine Abstraktion - die Liebe - mit einer anderen - den hormonellen Vorgängen - zu verbinden. Das Beispiel hinkt ein wenig, aber im Grunde ist es annehmbar.

Eine unkonventionelle Verknüpfung entsteht in groben Zügen folgendermaßen: Man beschäftigt sich mit einem bestimmten, meist komplexen, Thema. Um dieses besser zu verstehen und behalten zu können filtert man die Masse der Informationen bis man zu einer Abstraktion der Themeninhalte gelangt. In unserem Beispiel wird aus dem komplexen Thema der Neurologie beispielsweise die Abstraktion "bestimmte Gefühlszustände hängen von bestimmten Hormonspiegeln ab" gezogen. Nun hat man aber noch viele andere - unverwandte - Themen in abstrahierter Form im Kopf. So könnte man zum Beispiel die Liebe als "kaum beschreibbares Gefühlschaos mit körperlichen Effekten" gespeichert vorfinden.

Sicherlich könnte man beide Dinge auch anders speichern, so zum Beispiel den Detailreichtum der der Neurologie (Adrenalin wird im Nebennierenmark produziert und ist ein Stresshormon, Endorphine werden in der Hypophyse produziert und wirken schmerzstillend...) und auf der anderen Seite die Liebe mit all ihren - zum Beispiel dichterischen - Facetten (Liebe als Macht, Liebe als Schmetterlinge, Liebe als Chaos, Liebe als Gefühlsduselei, Liebe wie Shakespeare sie sieht, Liebe wie ich sie erlebt habe...). Hat man nun beide Themenkomplexe in dieser detaillierten Form gespeichert, dann wird es schwierig sein, einen großen gemeinsamen Nenner zu finden. Abstrahiert man dagegen weit genug, findet sich von jedem zu jedem Thema einer. So beginnt für das Genie die Suche nach einer Weltformel, nach der grössten Abstraktion.


Abstraktion / Assoziation

Den Genialen ist gemeinsam, das sie eben diese überstark ausgebildete Fähigkeit zur Abstraktion haben. Details verblassen, denn immer wenn man eines entdeckt, hat man schon eine Kategorie parat, in die man es einordnen kann. Die Masse der Informationen ist gigantisch, also selektiert das Hirn (bei jedem Menschen) und kategorisiert. "Schön" und "Hässlich" sind Beispiele für Kategorien, ebenso "richtig" und "falsch". Die Genies haben eine andere Systematik in ihrem Katalog. Sind beim normalen Menschen verschiedene Kategorie-Bäume aktiv, z.B. einer für Schönheit, einer für Praxis usw., dann ist es beim Genie nur 1 einziger. Ganz oben im Baum steht die Weltformel, deren Suche den Genies gemein ist, diese spaltet sich in Kategorien, die allesamt eben diese Weltformel als gemeinsame Verbindung haben. So findet das Genie zu einem Detail viel mehr mögliche Assoziationen als ein normaler Mensch. So entstehen Verknüpfungen, die dem Normalen als ungewöhnlich erscheinen. Zur Verdeutlichung hier eine schematische Darstellung, wie ein normaler und ein genialer Mensch den Anblick einer Rose empfinden könnten:

<b>Diese Assoziationskette ist die des normalen Denkvorganges. Der Output könnte jede der 3 Assoziationen sein. Alle 3 entspringen aus unterschiedlichen Gebieten, zwischen denen nun einzig und allein die Rose eine mögliche Verbindung darstellt.</b>
<b>Dies könnte die Assoziationskette eines Genialen sein. Der Output beim Anblick der Rose könnte entsprechend eine der rot gefärbten Assoziationen sein.</b>


Warum Wahnsinn?

Hier sehen wir nun auch undeutlich das große Problem der Genialen vor uns: sie werden völlig missverstanden, wenn sie sich nicht andauernd erklären. Aber wie soll das funktionieren? Noch während des Vorganges des Erklärens bilden sich neue Interessante Assoziationen, denen zu folgen lohnender sein könnte, als die Erklärung fortzusetzen.

Aber mal abgesehen davon ist das vielleicht grösste Problem des Genies, das ihm oder ihr die Details völlig entgehen. Diese Rose ist so schnell vergessen, das man kaum zuschauen kann. Die Ereignisse des Vortages sind äußerst uninteressant. Die Steuererklärung ist reine Zeitverschwendung. Wie können sich die anderen Menschen bloß so lange mit diesen Dingen aufhalten, fragt sich das Genie. Bezogen auf das Beispiel könnte die Frage lauten: Wie können die Leute nur so lange über die Rose reden? Merken sie denn nicht, das sie sie überhaupt nur schön finden, weil die Evolution es so für sie vorgesehen hat? Wieso reden wir also nicht über die Evolution? Aber er oder sie wird gleichzeitig sicher wissen, das dieses Thema ebenso schnell langweilig wird. Das Genie wird deshalb zu einer Art Einzelgänger.

Dalí sagte "in der Kunst ist es anders als im Fußball, hier erzielt man die meisten Treffer aus dem Abseits".

John Nash flüchtete sich in die Schizophrenie, van Gogh war Alkoholiker, schizophren und litt unter Epilepsie.

Wikipedia weiß von Einstein folgendes zu berichten: "Es lag Einstein fern, nur formales Wissen zu erlernen. Vielmehr regten ihn theoretisch-physikalische Denkprojekte an. Mit seiner Eigenwilligkeit eckte er jedoch auch an. Ihm war die abstrakte mathematische Ausbildung ein Dorn im Auge, er erachtete sie als für den problemorientierten Physiker hinderlich. In den Vorlesungen fiel er dem lehrenden Professor vor allem durch Abwesenheit auf und verließ sich für die Prüfungen auf die Mitschriften seiner Kommilitonen.".

Immanuel Kant, so munkelt man, soll sich bis in ein auffällig hohes Alter hinein von seiner Mutter zu Bett bringen lassen haben.

Diese Liste ließe sich fortsetzen genau wie sich auch Ausnahmen finden ließen. Die Abseitsstellung, die Dalí erwähnt ist für den Menschen nicht so gedacht, nicht natürlich. Sie ist zu kulturell, als das ein im Endeffekt nur biologisch/natürlicher Mechanismus sich damit abfinden könnte. Die Evolution hat uns gelehrt, das Fortpflanzung sich durchsetzt, das wird aber im Abseits nicht funktionieren.

Deshalb der Wahnsinn - die Krankheit der Einsamkeit. Wahnsinn (was übrigens kein Ausdruck für eine klinische Krankheit, sondern eine aus dem Volksmund entlehnte Verallgemeinerung darstellt) ist in seiner Bedeutung vielleicht überzogen. Alltagsuntauglichkeit trifft besser den Kern der Sache.

Niemand hätte Einstein als wahnsinnig bezeichnet. Einstein hat sich auch politisch engagiert, stand im Brennpunkt des Interesses der Medien und Öffentlichkeit und war keineswegs ein zurückgezogen lebender Reagenzglasschwenker. Trotzdem wird er in mehreren Filmen als weltfremder Träumer dargestellt. Ein Kollege sagte mal über ihn:

Wenn es klar wurde, dass wir ein Problem nicht lösen konnten, stand Einstein gewöhnlich auf und sagte: "Ich will a little think." Dann streckte er den Finger ins Haar und drehte Locken, während er auf und ab ging oder mit ganz entspanntem Gesicht einfach stehenblieb; es schien, als ob er in einem ganz anderen Teil des Universums weilte und nur sein Körper hier anwesend war. Infeld und ich hielten uns ganz still.

Banesh Hoffmann über Albert Einstein und seinen Mitarbeiter Leopold Infeld.


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Kommentare

Schattenfrau wrote on 2007-12-18 04:15:12

Ich gehe nicht konform mit den Ärzten, Neurologen und Psychiatern.

Meines Erachtens sind diese "Störgungen"/"Wahnsinn"/"Spinnen" der so genannten "Genies,

ihre "Depressionen", ihre "Alltagsuntauglichkeit",.... keine Störungen.

Auffällig ist doch der Zusammenhang dieser "Krankheiten" und das Vorhandensein dieser,

bei so vielen "Künstlern" und erfolgreichen Wissenschaftlern/Genies!

Ein "Sich-Gedanken-machen", ein tiefes Nachdenken, ein Philosophieren,

ruft extreme Erlebnisse hervor!

Oft entstehen Geistesblitze während der Erschaffung und der Ausübung von Kunst.

Ich meine damit alle Künste!

Ich tue das sehr gerne, dass ich während des Malens beispielsweise nachdenke,

und bin dabei achtsam, d.h. ich vergesse mich nicht vollständig dabei.

Gleichzeitig akzeptiere ich aber die Erkenntnisse die ich durch das Denken gewinne.

D. h. ich akzeptiere mein Mensch-sein, diese vorübergehende Erscheinung, den Tod.

Ich habe es erlebt, dass Menschen, ?die dazu aufgefordert zu philosophieren, vollkommen die Fassung verlieren!

Wie dieser Satz es schon beschreibt: Die Fassung verlieren.

Jeder Mensch mit gewissen kognitiven Fähigkeiten ist dazu fähig so weit zu denken.

Die Ereignisse, die Erlebnisse ?gerade auch beim Kunst-schaffen , denken, etwas Neues erschaffen,.... kreativ-sein, erfinden,........

sind so überwältigend, dass es durchaus geschehen kann, dass wir in eine depressive Stimmung gelangen.

Was ist denn die (menschlich) logische Konsequenz aus der Tatsache, dass wir alle eigentlich zum Sterben geboren wurden?

"Da kann ich mich doch auch gleich umbringen!"

"Nach mir die Sindflut" "Wieso?" "Warum"" "Zum Sterben geboren?" usw.

Was geschieht, wenn wir uns einem Kunstprozess, einem genialen Gedanken hingeben?

Wir bemerken, dass wir uns auf einmal "öffnen"!

Wir sind auf einmal weder "in" uns, noch sind wir "außen".

Wir bemerken, dass wir mit Allen und Allem verbunden sind.

Wir sind fähig klarer zu denken. Die Genialität des Ganzen offenbart sich in Bruchteilen eines Augenblickes.....

Wir sind auf einmal fähig zu malen, zu singen, zu schreiben, zu tanzen, zu schauspielern...........etc.

Das ist wunderbar!

Doch lässt es mitunter viele auch zerbrechen, denn mit wem soll man sich darüber unterhalten?

Über solche "Grenzerfahrungen"?

Wenn wir dann noch sehr dualistisch denken, beginnt der "Wahn". (Der nur aufgesetzt ist.)

Ich denke es ist einfacher sich an diesen Wahn ?weil fühlbar, zu halten als die Erkenntnisse zu zu lassen,

die wir aus einem tiefen Naturerlebnis gewinnen konnten.

Das meine ich aber nicht bewertend.

Sicherlich sind die Dinge um uns, ?bei näherer, tiefer Betrachtung so konfus, dass man daran zerbrechen kann!

Wenn wir dann allerdings keine Medikamente nehmen, sondern uns der Kunst ?irgendwann benötigen wir die Kunst nicht mehr als Schlüssel zum Zugang,

d.h. dem Zugang öffnen, dann sind wir der Lösung /das Geniale erschaffen zu können/denken zu können, ein Stück näher gekommen.

Wir gehen daran nicht mehr zu Grunde, sondern beginnen daran zu wachsen!

Da hilft uns kein Gott. Und sollten wir zerbrechen ist es nicht der Teufel, der schuld ist.

Wir erkennen, dass Gott nicht getrennt ist von uns? oder der Teufel?, Alles ist mit Allem verbunden

und ist in seiner wahren Natur nur ein Phänomen. Weder gut noch böse.

Unsere Dualität macht es erst dazu, etwas zu sein, was einen Wert besitzt.

Ja, wir brauchen das um im Moment zu Überleben, denn sonst erscheint uns alles so sinnlos, weil doch nicht vorhanden.

Wenn wir uns dieser "Erkenntnis" nicht gewachsen fühlen dann flüchten wir in die Krankheit,, denn so kann man das Leben verkraften.

Die Krankheit, der Wahn, das gibt uns Halt. Unserem Leben einen Halt......

Man beobachte sich selbst als Phänomen und versuche sich so zu verhalten, dass

man niemanden das antut, was man nicht möchte, dass es einem angetan werde. (Das gilt für alle Wesen!)

Wenn man sich in dieser Achtsamkeit übt, regelt sich das Problem mit dem EGO von selbst.

Und dann können wir in den Prozessen weiter gehen ?die Genialität sich entwickeln lassen, das "Spinnen" zulassen,

denn Erkenntnisse werden uns nicht mehr aus der Bahn werfen!

Die Manie, der Wahn, die Krankheit, entstehen, meines Erachtens aus der Angst, die Erkenntnisse und Erfahrungen, die man

während eines tiefgreifendes Erlebnisses gemacht hat, zuzulassen.

Wenn man diese Erkenntnisse zu lässt, sind Medikamente (oder Menschen, die einen retten sollen) überflüssig!

Wir brauchen nichts, was Außen ist dazu, denn es gibt nichts, was nicht von vornherein schon in uns ist!

Natürlich sind wir dann immer noch nicht "Alltagstauglich" in dieser menschlichen Dimension!

Da wir aber als Phänomen im Zusammenspiel verschiedener Phänomene auftreten, stellt sich doch die Frage:

Was ist denn eine allzu menschliche Alltagstauglichkeit Wert, wenn es die Akzeptanz unnützer, leidbringender Handlungen beinhaltet?

Wenn man davon ausgeht, dass man dadurch eine Kette weiterer unnützer, leidbringender Handlungen verursacht.

Irgendwie finde ich, man müsste eine neue Art der Sprache entwickeln, um sich Philosophisch ausdrücken zu können.

Es macht mir große Schwierigkeiten mit dem vorhandenen Wörtern, ?die so bewertend sind, nicht zu bewertende Dinge auszudrücken.

Man wird in der Interpretation immer in ein Richtung gepresst, obwohl man das nicht beabsichtigt.

Eine neue Sprache muss wertfrei formulieren können, neutral sein.

So würde dem Entstehen neuer, genialer Gedanken weniger Grenzen in der späteren Formulierung /Beschreibung/Erklärung dieser gesetzt !

patrick wrote on 2007-11-18 14:33:29

Deine Sichtweise finde ich enorm interessant, wenn du auch eine ganz andere Dimension des Phänomens "Genie" sezierst: und zwar eine politische. Politisch weniger im Sinne einer Bush oder nicht Bush Regierung, sondern von ursprünglichen Wortbedeutung, also von "polis" aus betrachtet:

Du beleuchtest die Beziehung dessen was wir mit Genie brandmarken (Ausdruck dir entlehnt) und dem Rest der Gesellschaft. Einen der interessantesten Aspekte sehe ich darin, dass in deiner Sichtweise das Genie erst über seine Umgebung definiert wird, was selbstverständlich genau so sein muss, sich aber in meiner Meinung immer anders darstellt(e); meine Darstellung dieses Zusammenhangs (über den ich mir noch nie Gedanken gemacht habe, daher hier eine ad hoc Bemerkung) würde eher naturwissenschaftlich funktionieren, aber ich versuche mal ohne dieselbe aus zukommen: Die Gabe des Genies besteht darin, gewisse Strömungen, die in einer Gesellschaft vorhanden sind, in einer Weise zu verknüpfen, die diese Strömungen unweigerlich für alle aus den unbewussten Tiefen ans Licht holt.

In der Naturwissenschaft muss Einstein permanent als Beispiel herhalten: seine wiki(Relativitätstheorie#Entstehungsgeschichte) fußt auf diversen "kleineren" Entdeckungen, die unmittelbar in den Jahren bevor er begann in diese Richtung zu forschen, seiner Arbeit vorausgingen. Er fasste diese vorhanden Phänomene zusammen, bzw. entwickelte eine Theorie, die diese ganzen Strömungen erklärte, enthielt, verknüpfte und mathematisch ästhetisch darstellte.

In der Sozialwissenschaft kann vielleicht wiki(Sartre) als Beispiel dienen: Mit beinahe abgeschlossenen Industrialisierung und der beginnenden Globalisierung (Stichwort wiki(Weltwirtschaftskrise)) begann klar zu werden, das die Rolle des Menschen, nicht nur im Kosmos, sondern sogar auf dieser Welt eine vernichtend Kleine ist; nicht umsonst prägte man damals den Ausdruck "wiki(Great Depression)" für die eben genannte Krise. Sartre fasste diese Strömungen zusammen und bastelte daraus einen wiki(Existenzialismus), der die Stellung des Menschen als die eines einsamen, willkürlich existierenden Wesens, dessen Schicksal nur durch äußere Ursachen eingeschränkt ist und keineswegs verbindlich ist, beschreibt.

Das wäre meine Ad Hoc Darstellung der politischen Dimension des Genies.

Wahrscheinlich liegen unsere Annahmen hier nicht mal weit auseinander. Anders formuliert könnte ich meine eigenen Worte zusammenfassen mit: "Das Genie gibt einen Fingerzeig, der einfach nicht (mehr) zu ignorieren ist.".

Oller Schnurps wrote on 2007-11-17 12:49:37

Statt alltagsuntauglich könnte man das Genie auch als kultur- oder suggestionsresistent bezeichnen. Es stellt Einfachheit und Ursprünglichkeit her.

Große Gesellschaften beruhen auf einem Kult. Der Kult besteht darin, einen Teilaspekt des Gesamt zum einzig gültigen Aspekt derart aufzublähen, daß fast keine mentale Verbindung des Teilaspektes mit dem Gesamt bei den Kultgeprägten besteht. Das Genie stellt diese Verbindung wieder her. Es lebt einsam und gefährlich, da die Hüter des Kultes beim Sichtbarwerden von Schwachstellen der GeniePersönlichkeit umgehend Brandmarkung und Zugriff realisieren, um die Gefahr des Wandels für die Gemeinde der Kultgeprägten abzuwehren.

Das Genie ist ein männlicher Krieger, der das Tor zum Gesamt öffnet. Je nüchterner, desto wirksamer. Im genialen Erfolgsfall geht den weiblichen Hüter des Kultes das bisherige Kultbesondere vor aller Augen verloren und sie erleben sich - für sie selbst unerklärlich, da sie nur Teilaspekte (Emotionen) erkennen können - neugeboren in einer anderen Situation. Dem Genie passiert in diesem Erfolgsfall die Verkultung (Liebe,Hass). Aus dem unauffälligen Unbekannten wird der Verantwortliche (Vater, Schuldige).

Das ist das Spiel von Mann und Frau in allen Verdrehungen.

Wie immer und immer wieder sehr aufregend und herausfordernd.

Lambizzel wrote on 2007-03-30 16:52:04

sowas zu verfassen...du musst völlig wahnsinnig sein ;P

Anonymous wrote on 2007-03-22 21:13:10

schöner text; allerdings habe ich mal gehört, dass einstein in der schule gar nicht mal so schlecht war: :-)

schöner text schön

Lambizzel wrote on 2006-05-07 11:43:20

Einer deiner besten Texte, gefällt mir sehr gut. Gut dargestellt, unterhaltsam und den Pathos des Wahns erfassend. Weiter so

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